Heute war es also so weit: Das letzte Bundesligaheimspiel in 2006. Und die letzte Chance, den ersten und damit einzigen Heimsieg in dieser Saison einzufahren. Wer hätte das vor 15 Spieltagen gedacht? Ich nicht. Unter der Woche sind die Wogen mal wieder höher geschlagen. Leider nicht, weil den Super GAU abwenden konnte (erster Sieg in der CL) sondern eher, weil ein gewisser Herr Atouba meinte, das Volk mit einer unanständigen Geste zu beleidigen. Die Sache wäre soweit eindeutig gewesen, wenn sich nicht einen Tag später, die Sachlage drastisch geändert hätte. Er wäre wohl von sogenannten VIP’s als „Nigger“, „Affe“ und „Kanake“ beschimpft worden. Zuerst tat ich mich schwer damit, dies zu glauben, weil es doch relativ unwahrscheinlich ist, dass jemand, der 20 Meter von der Osttribüne entfernt auf dem Platz steht, und 50000 pfeifen, diese Schmähungen verstanden haben kann. Es war für mich irgendwie klar, dass man hier versuchte, den schwarzen Peter wieder zurück an die Fans zu schieben. Am Samstag allerdings hatte ich dann eine klare Aussage von B. Hoffmann im Abendblatt gelesen: Atouba hat den Stinkefinger 4x wegen der Pfiffe der Fans gezeigt. Die Beleidigungen seien dann gerufen worden, als er auf dem Weg in die Kabine gewesen ist. Hoffmann erklärte, dass die Ereignisse getrennt voneinander betrachtet werden müssen. So sehe ich das auch. Atouba darf nie wieder ein Spiel für den HSV machen! Da kann er sich so oft entschuldigen wie er will und auch ein gute Fussballer sein (was er zweifelsohne ist), das Tischtuch zwischen Spieler und Publikum ist zerschnitten. Und das nicht erst, seit seinem unrühmlichen Auftritt in diesem Spiel. Glaubt er wirklich, er könnte sich den Status des Publikumslieblings mit schlechten Leistungen aber der Forderung von mehr Geld (wie im Sommer geschehen) bewahren? Ich bitte dich Timothee! Etwas mehr Eigenkritik und Professionalität würde dir gut tun. Aber bitte beim nächsten Verein, nicht mehr bei uns. Und was den Idioten auf der VIP Tribüne angeht: Wenn er ermittelt werden kann, sofort Stadionverbot! Und der Typ, der den Bierbecher geworfen hat gleich dazu! Aber was muss ich sehen? Solche Leute dürfen ja sogar bei der Mopo und Radio HH Interviews geben! Was war denn mit dem Typ, der den Trommelstock auf Laas geworfen hat? Der hat mit Sicherheit seit dem auch noch kein Bundesligastadion mehr von innen gesehen(Ihr dürft mich gern berichtigen, wenn ihr es besser wisst). Aber wahrscheinlich wir hier wieder mit zweierlei Mass gemessen: Der eine hat ein VIP Karte, der andere Stehplatz im Gästebereich. Ich finde es zum kotzen!
Dieser Spieltag begann erstmal mit einem Stadtrundgang mit Julies Eltern und Grisseltern. Jungfernstieg, Rathaus, Landungsbrücken, Reeperbahn (ohne Herbertstrasse), Michel. Halt das ganze Programm, was Auswertige von Hamburg erwarten. Wirklich interessant für mich dabei, wie viel Auswärtsfans offensichtlich einen Tagestrip wenn nicht Wochenendausflug aus einem BuLi Spiel in Hamburg machen. Lauter rote Schals an den Sehenswürdigkeiten. Tja, Hamburg ist wohl doch immer wieder einen Ausflug wert. UM 13:30h begann aber der Ernst des Lebens. Zuvor hatte ich noch eine Kerze im Michel für den HSV angezündet und das beste gehofft. Groni und ich haben ja seit dem Moskau Spiel ein neues Ritual: Bier trinken in unmittelbarer Nähe des Uwe Seeler Denkmals am Stadion. Immerhin ein Sieg aus einem Spiel. Diese Serie darf nicht abreissen. Zuvor noch ein kleiner Plausch mit Flo in Eidelstedt, der dort mit seinem Schwiegervater, Ines Bruder samt Frau und Kumpel dem Ereignis „Nürnberg“ entgegenfieberte. Der Typ war immer noch im Arsch. Weihnachtsfeier am Vortag macht ein Gespenst am Tag danach aus einem. Am Seeler Denkmal treffen Tim, Ole, Groni und ich auf Lars, der echte Stilsicherheit vermissen liess: Wernesgrüner Regenjacke gefüllt mit Bier aus der verbotenen Stadt. Über Geschmack lässt sich ja streiten, aber bei ihm mache ich immer noch eine Ausnahme was Becks angeht, weil er immerhin aus der Nähe von HB stammt. Und so stehen wir da, klönen und fachsimpeln, als wir plötzlich einen Typ, schätze ihn mal auf 16 bis 18, hinter dem HSV Mobil erspähen, der offensichtlich schon früh heute morgen mit dem Konsum von alkoholischen Getränken der schlimmeren Sorte begonnen hatte. Der musste sich dort die letzen ca. 3 Stunden nochmal durch den Kopf gehen lassen. Ich vermute, dass er auch am Mittwoch im Stadion war, denn als wir ihn so feiern, wie er da nun am brechen ist, präsentiert er uns die gleich Fingerakrobatik wie Atouba Mitte der Woche. Wozu Menschen mit 3,2 Promille noch fähig sind. Wir sind uns aber schnell einig, dass er wohl heute das Spiel nicht sehen wird. Wir betreten das Stadion zwecks Befreiungsschlag unserer Mannschaft und machen noch einen kleinen Umweg über den Bierstand. Auf unserem Platz fehlen wieder Malte (Scheiss Weihnachtsgeschäft!) sowie die Dauerabstinenten Sören und Torsten. Das Stadion ist mal wieder gut gefüllt...54628 Zuschauer und Fans wollen ihr Team siegen sehen. Bald wird klar, dass Herbert Fandel heute der Pfeifenmann ist und irgendwie habe ich bereits hier ein schlechtes Gefühl. Soviel aber vorweg, Fandel zeigt ein Leistung, die o.k. war. Ich beobachte die Mannschaft beim Warmschiessen und mir fällt auf, dass jeder Probeschuss vorbei geht oder von Kirsche gehalten wird. Naja, ist vielleicht gar nicht schlecht. Sonst treffen die beim Warmmachen immer alles und dann im Spiel nicht mehr. Vielleicht ist es heute mal anders. Die Mannschaftsaufstellung hat gleich die erste Überraschung parat. Volker Schmidt („Kopfballungeheuer“) steht das erste Mal in der ersten 11. Eigentlich ist das gar keine Überraschung, denn Doll fehlen einfach die Leute: Sorin, de Jong, Wicky, Atouba, Demel, Klingbeil ... alle Defensivspieler verletzt oder suspendiert. Ich kenne Schmidt nur von ein paar Besuchen, die schon lange zurück liegen, bei den Amateuren, wo er schon lange kickt. Mal sehen, schlechter kann es auch mit ihm kaum noch werden. Das Spiel beginnt, und ich sage das erste mal zu Tim und Groni, dass das heute nichts wird. Es sind 1 Minute und 42 Sekunden gespielt. Schätze mal, dass Groni mein Pessimismus hier mal wieder kurz vor die innere Kernschmelze gebracht hat. Aber ich sollte recht behalten. Ohne Ideen, ohne Feuer aber mit Kampf und Krampf fällt den Jungs in weiss nicht viel ein, um die mittelmässigen Nürnberger in Gefahr zu bringen. Im Gegenteil: die haben nach 20 Minuten die erste gute Möglichkeit und 3 Minuten später sogar noch eine. Nein, bereits hier ist für mich klar, dass die Leute sich am Mittwoch nach dem Spiel zu früh gefreut haben. Es ist ja nicht so, dass ich am Mittwoch Abend bereits als Spielverderber aufgefallen bin, weil ich genau diese Situation, die wir hier jetzt erleben, voraus gesehen habe. Ohne van der Vaart ist da noch weniger Spielkultur als mit ihm. Trochowski total überfordert und bleibt auch bis zu seiner Auswechslung in Minute 64. ein Totalausfall. Jarolim als „Capitano“ (wie klinsmann immer so schön sagt) bemüht, aber er spielt einfach immer nur Kurzpässe und schiessen kann er nicht, und tut er auch nicht. Luboja spiel so wie immer: Alibisprints und Ballverluste. Selbst ohne diese behämmerte Frisur würde man ihn sofort erkennen. Berisha habe ich so gut wie gar nicht gesehen. Mehdi ein Schatten seiner selbst. Nur Volker Schmidt, und das ist es, was mich wirklich nachdenklich stimmt, kämpft und rackert, macht und tut. Hinterher muss ich sagen, dass er bester Hamburger war. Schade, dass er in Halbzeit 2 nicht nach einem Pinola Fehler freistehend vor Schäfer das 1:0 macht. Das wäre wieder eine Geschichte für die Sportschau gewesen: Von den Amateuren zum Retter von Hamburg. Damit hätte ich leben können. Doll bringt Sanogo, Guerrero und Lauth. Letzter wäre wohl nicht gekommen, wenn Guerrero sich nicht nach 10 Minuten verletzt hätte. Aber doll will es wissen. Er will dieses Spiel gewinnen. Aber ich glaube, so richtig glaubt keiner im weiten Rund mehr dran. Ich muss gestehen, ich auch nicht. Als Fandel nach 92 Minuten abfeifft, ist es amtlich: Kein Heimsieg in der Hinrunde. Ein 0:0 der schlechteren Sorte mit fatalen Folgen für uns: Wir werden wohl auf einem Abstiegsplatz überwintern, weil es 3 Punkte bis zum 15ten sind. Und das wir wirklich in Aachen gewinnen, dafür fehlt mir einfach der Wille in der Mannschaft. Ich denke, dass der Verein, die Fans und die Mannschaft einfach nur froh sind, wenn am nächsten Samstag nach 90 Minuten abgefiffen wird. Dann ist Winterpause und die Verantwortlichen sind gut beraten, sich etwas einfallen zu lassen, wie man den Karren wieder aus dem Dreck bekommt. Am Montag ist JHV! Dort werden die Fetzen fliegen! Meine Prognose: Doll wird in der Winterpause entlassen (auch wenn man sich drauf einigen wird, dass es wie ein Rücktritt aussieht), Atouba wird ausgeliehen und macht nie wieder ein Spiel für uns und wir holen noch ein bis zwei neue Spieler. Das Lazarett wird sich lichten und wenn das dann nicht zum Klassenerhalt reichen sollte, ist es wohl unser Schicksal.
Tim und ich gehen nach Eidelstedt und ich fahre auf den Weihnachtsmarkt um mit meinen Eltern und Julies Familie die Qualität des Glühweins zu testen. Eine Geschichte noch zum Abschluss diese Berichts: Als ich Dammtor ankomme übermannt mich ein unmenschlicher Hunger und so steuere ich das grosse „M“ an, weil ich noch etwas Zeit habe. In der Schlange spricht mich die Restaurantmangerin an. Ich glaube, dass sie es war, weil sie anders gekleidet war das der normale McDo Bulettenwender. „Wie hat denn HSV gespielt?“ will sie wissen. Ich sage darauf, dass das Spiel 0:0 ausgegangen ist und sie sich noch auf schlechtgelaunte Fussballfans einstellen kann. „Die sollen sich nicht so anstellen. In manchen Teilen der Welt sterben die Menschen an Hunger. Das ist schlimmer!“ Mit fällt nichts Besseres als „Ja, soooo kann man das auch sehen“ ein.