Montag, November 20, 2006

Mainz auswärts


„Zum Siegen verdammt“...das war für mich das Motto für die Partie in Mainz. Am Freitagabend hatte Bochum in einem sagenhaften Match das Spiel gegen Frankfurt gedreht. Nach 8 Minuten stand es bereits 0:2 im Ruhrstadion und ich lehnte mich beruhigt zurück in die Ledercouch meiner Eltern. Was soll da noch passieren? Egal, was noch passiert, wir werden nicht tiefer als Rang 16. fallen. Zumindest nicht an diesem Wochenende. Dann plötzlich 11. Meter für Bochum und Rot für Frankfurt. Vertretbar. Bochum macht das 1:2. Egal. Das bleibt so, dachte ich mir. Und wir gewinnen in Mainz und alles ist gut am Montag. Also erlaube ich meiner Mutter und Julie, mal kurz auf den Domino Day auf RTL zu schalten. 10 Minuten später schalten wir wieder zurück, weil Uli Potofski doch anfängt, zu nerven. Was ist bloss aus dem einstigen Wimbeldon Reporter geworden? Konnte sich wohl nicht so gut wie Sonja Zietlow oder Michelle Hunziker prostituieren. Zugegeben, die haben bei den Programmchefs auch die besseren Argumente. Naja, Schwamm drüber. Also wieder zurück zu Arena. Dort muss es sich um einen Druckfehler handeln. Oben rechts steht anstatt 1:2 3:2 für Bochum. Nein, dass ist kein Druckfehler. Das Ruhrstadion kocht. Bochum hatte das Ding innerhalb von 10 Minuten gedreht. Nach dem Seitenwechsel erhöhen sie sogar auf 4:2. Auch das 4:3 von Frankfurt kann sie nicht mehr schocken. Ich kann es kaum glauben. Kurz nachgedacht: Wir haben in den letzten 7 Spielen zusammen 4 Tore geschossen. Bochum hat den dritten Saisonsieg. Wir haben 2 Siege in den letzten 6 Monaten geschafft. Und nun? Wenn Hannover gegen Gladbach gewinnt und wir nicht in Mainz gewinnen, sind wir vorletzter. Bei einer Niederlage in Mainz sind wir sogar punktgleich mit dem letzten. Also...zum siegen verdammt.

Um 7:09h treffen Malte und ich uns Ohlsdorf. Er hat ne neue Jacke von The North Face. Sehr hübsch, aber die Fellkaputze ist gewöhnungsbedürftig. Fast so, als hätte er einen Waschbär aus seinem Anzug gekloppt. Wir machen uns auf den Weg Richtung Hbf. Um 7:45h ist dort treffen, 8:24h rollt der ICE gen Mainz los. Am Treffpunkt wenig bekannte Gesichter. Ich komme nur mit meinem Ex-Nachbar ins Gespräch. Ausserdem unterhalte ich mich noch mit Möller. Ich hatte ihn in einem früheren Bericht schon erwähnt. Er fragt mich, wie ich denn nach London komme. Es hört sich so an, als wenn es das normalste von der Welt ist, seinen Verein zu einem völlig sinnlosen CL Spiel (sieht man mal von der Punktprämie ab) nach London zu begleiten. Darum bin ich froh, dass ich ihm sagen kann, dass ich am Dienstag hin fliege. Wie hätte ich denn sonst da gestanden? 34 Spiele und nicht mal London auswärts??? Daher bin ich froh, dass ich diese Reise antrete. Einige Meter weiter sind gut 10 – 12 Spacken in gelb gekleidet. Sie wollen nach Dortmund, wo heute Berlin zu gast ist. Sie brüllen kurz den alten Klassiker: „Zweite Liga Hamburg ist dabei.“ Ich überlege kurz, ob es Sinn macht, ein Gespräch mit den Jungs und Mädels anzufangen. Aber nicht um diese Zeit und nicht an diesem Ort. Ausserdem würde ich eigentlich nur gerne wissen, ob die Schalker den gelben Lappen, den die Fahne nennen, wieder zurück gegeben haben. Tolle Aktion! Das ist Lokarivalität! Hoffentlich kommen die Zecken nicht mal auf die Idee, Uwe’s Fuss abzuschrauben und mit einem Kran in der Elbe zu versenken... Wir besteigen den Zug und nehmen unsere Plätze ein. Anfangs machen wir uns noch über das Holsten Knight her und reden über dies und das. Bald steht aber eine Wodka (Absolut...ist halt UCH)/ Red Bull Mische vor uns und hier muss es dann bald auch schon so weit gewesen sein. Zwischen der zweiten und dritten muss ich die Besinnung verloren haben. Man wird mit zunehmendem alter ja auch nicht schlauer. Wenig gegessen, aber trotzdem sich das harte Zeug reinfahren. Besonder gefährlich wird es dann in der Kombination viel Wodka, aber nur wenig Red Bull, weil wir haben nicht so viele...Herzlichen Glückwunsch. Ich bitte jetzt zu entschuldigen, dass viele der nächsten Sätze mit „Ich glaube...“ anfangen werden. Ich weiss es halt wirklich nicht besser. Neben uns sitzt eine Abordnung von „Schlechter Umgang 1887“. Die beiden Jungs (einer heisst auch Malte) trinken „das gute“ Öttinger. Auf nachfragen von uns, warum man sich freiwillig diese Plörre antut, geben sie nur den Preis als Argument an. Und jetzt habe ich wirklich das erste Loch. Das nächste, was ich weiss ist, dass wir in Frankfurt sind. Auf dem Bahnsteig wird zahlreiches Liedgut zum besten gegeben und Malte und ich sind (glaube ich) gut dabei. Jetzt folgen 45 Minuten S-Bahnfahrt nach Mainz. Die Ordnungshüter in Grün und Weiss geleiten uns zum S-Bahnsteig. Unten angekommen, möchte ich auch mal ein Lied anstimmen. Meine Wahl fällt auf „Wer nicht hüpft, der ist ein Bremer“ aber bevor der Mob überhaupt ins wippen kommt, steht schon ein ziemlich schlecht gelaunter Grüner neben mir. „Ey, nicht springen! Sonst schliessen wir euch weg!!“ So oder so ähnlich waren seine Worte in meine richtung. Bei meinem Pegel fällt mir natürlich nichts besseres ein, als ein Foto mit dem sympathischen Mann zu machen. Gut, dass er das nicht wirklich mitbekommt! In der S-Bahn wird das die grosse Liedersammlung aufgemacht. „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ ist nur ein High Light. Ich glaube, Massgeblich sind Malte und ich an den Songs beteiligt. Ich fordere Möller auf, auch ein Lied anzustimmen, aber so richtig viel kommt nicht von ihm. Irgendwann fängt Malte ein Gespräch mit der grünen Trachtengruppe vor uns an. Was denn so ihr Job wäre, fragt er sie. „Wir passen auf, dass ihr nichts kaputt macht.“ Antwortet er. Es ist schon komisch: Da müssen Menschen Samstags arbeiten, weil ich zum Fussball gehe. Die könnten zuhause bei Ihren Familien sein und ihre Kinder heranwachsen sehen. Aber sie passen auf Leute wie mich auf, damit wir uns benehmen. So richtig gut gelaunt wäre ich da auch nicht und so fragt Malte, woran es denn liegt, dass manche Polizisten so unentspannt sind und immer gleich Schlagstock, Schild und Helm am Start sind. „Das hängt einzig und allein vom Einsatzleiter ab. Wenn der schlechte Erfahrung mit fussballfans gemacht hat, befielt er halt: Helme auf. Wenn nicht, dann nicht.“ Hmm. Die Antwort klingt plausibel aus seinem Mund. Allerdings glaube ich, dass es auch viele dort in grün gibt, die, wenn sie schon Samstags arbeiten müssen, sich auch abreagieren wollen. Ansonsten sind manche Aktionen nicht zu erklären. Und ich habe noch wirklich nicht viel selber erlebt. Irgendwann kommen wir in Mainz an. Julie erzählt mir, dass ich sie dort angerufen haben muss um ihr zu sagen, wie lieb ich sie habe. Ganz ehrlich: Ich habe keinen blassen Schimmer... Aber Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit, daher nehme ich das Kompliment an. Wir machen uns auf den Weg zum Stadion. Malte fragt nach dem Weg. Wir kommen, in Sichtweite des Stadions am Bruchweg, zu einer Imbissbude. Malte bestellt Pizza für ihn und mich. Es regnet. Bier gibt es, glaube ich, nicht. Das ist alles, was ich von dieser Bude erinnere. Irgendwann gehen wir weiter. Der Gästebereicht befindet sich auf der anderen Seite vom Stadion. Vorm Stadion steh wieder die‚ Supporters Botschaft. Rene Koch, alias Balu, hat heute Dienst. Ich gebe ihm die Hand, aber zu einer Unterhaltung kommt es nicht mehr. Balu ist ein netter Kerl. Deutlich über 120 kg. Ein Berg von einem Mensch. Aber ich habe ihn noch nie, nicht lachen gesehen. Immer gut drauf, immer witzig. Ich habe ihn vor Jahren bei einer 4 Tages Tour nach München kennen gelern. Damals haben wir Mittwoch in München gegen Bayern gespielt, Samstags gegen 1860. Donnerstag haben wir 96 in Fürth und Freitags Frankfurt in Unterhachingen gesehen. Das waren geile vier Tage. Er war dabei, mit einer Abordnung von seinem Fanclub „Bahrenfelder Gesindel“. Heute ist er Fanbeauftragter mit Sven Freese zusammen und hin und wieder klönen wir nochmal. Am Stadiontor muss ich mich gut benommen haben, denn ohne grössere Verzögerungen kommen wir ins Stadion. Und nicht nur das: Ein Typ mit Funkgerät winkt uns hektisch von einer Tür zu. Weil wir eine Zaunfahne haben, sollen wir in den Innenraum und sie dort aufhängen. Geiles Ding! Und Tatsache: Wir bekommen noch ein guten Platz genau am Gästebereich. Mit dem Ordner dort komme ich, währen Malte Turnübungen am Zaun vollbringt, ins Gespräch. So richtig kann ich mich leider auch daran nicht erinnern, aber ich muss ihn wohl gefragt haben, warum der Ordnungsdienst hier so entspannt ist. Er erzählt mir daraufhin eine Geschichte, dass das wohl nicht immer so sein. Gegen Frankfurt wäre es wohl vor einiger Zeit deutlich ungemütlicher zugegangen. Wir gehen wieder zurück ins Stadion und nehmen unsere Plätze im Stehbereich ein. Malte kauft Bier und sich ne Wurst. Dann kommen die Jungs von CFHH und wollen ihre Fahne über unsere Hängen, so erscheint es mir. Immerhin sind wir doch wegen einer Sache hier, und da lasse ich doch nicht zu, dass unsere Fahne überhängt wird. Weder von CFHH noch von sonst irgendjemandem. Ist aber halb so schlimm, weil die Fahne eh viel zu gross ist und gar nicht mehr neben unsere passt. Ich kann euch leider echt nicht sagen wie spät es jetzt ist. So langsam füllt sich aber unser Block und auch der Rest vom Stadion. Malte, wenn ich etwas Entscheidendes vergesse, so bitte ich dich, einen Kommentar an diesen Bericht anzufügen. Danke. Irgendwann kommen die Mannschaften und machen sich warm. Ich erkenne, dass Feilhaber heute nur Ersatz ist. Gut so, denke ich mir. Dann verlieren wir wenigstens nicht. Der Stadionsprecher von Mainz wirkt auf mich wie ein dicker Zirkusclown in seiner Manege. Aber Fair geht vor, und so verliest er die Mannschaftsaufstellung so, dass er den Vornamen, und wir den Nachnamen rufen. Nette Geste. Jetzt folgt die Mannschaftsaufstellung von den Mainzern und danch gibt es „You’ll never walk alone“. Kotz! Können die sich nicht mal etwas Neues ausdenken? Das Spiel beginnt. Ich würde jetzt gern schreiben, dass unsere Mannschaft sich mit aller Gewalt aus dem Keller schiessen wollte. Dass Sie alles versucht haben und ihre Trikots dreckig waren. Aber es ist nicht so. Bei Kicker online liesst es sich so: „Ein Spiel mit wenig Torszenen sahen die Zuschauer im Mainzer Stadion am Bruchweg. Beide Offensiv-Reihen waren zu schwach und ideenlos um die jeweiligen Gegener in Verlegenheit zu bringen. So war ein torloses Unentschieden in der Begegnung der Kellerkinder aus Mainz und Hamburg die logische Konsequenz eines Spiels auf überschaubaren Niveau.“ Dies trifft den Nagel auf dem Punkt. So richtig habe ich keine Torchance wahrgenommen. 90 Minuten, ohne auch nur den Torjubel auf den Lippen zu haben. Wie haben Malte und ich später festgestellt: Der Torjubel hatte heute Urlaub und war gar nicht erst ins Stadion am Bruchweg mitgereist. Nicht in Ansätzen waren wir gefährlich. Alle Bälle, die 15/20 Meter vor dem Strafraum sind, verpuffen, wenn sie weiter nach vorne rollen. Sanogo und Luboja sind einfach nur schlecht. Rafael, wo sind deine gefürchteten Standards und Fernschüsse hin? Man kann doch das Fussballspielen nicht verlernen? Oder ist da mehr. Spielt die Mannschaft entgegen allen Aussagen gegen den Trainer? Aber warum? Mit ist das alles zu hoch und so schlafe ich die Halbzeit, hingekauert auf meinem Sitzplatz, durch. Leider bringt die zweite Halbzeit wenig Neues und als der Schiri, nach einer Minute Nachspielzeit (wofür war die eigentlich?), die zweite Halbzeit abpfeifft, ist es leer in meinem Kopf. Wenn nicht Mainz, wen will man denn noch schlagen? Mainz hat diese Woche das erste Mal in dieser Saison zu null gespielt! Gladbach hat letzte Woche den ersten Punkt auf gegnerischem Platz geholt! Ich will einfach nicht mehr, dass wir Serien brechen, die nur unseren Gegner nützen. Ich will nicht mehr montags ins Büro kommen und meine Kollegen grundlos anmaulen, wenn sie mich fragen, wie mein Wochenende war. Ich will nicht mehr die Lachnummer der Liga sein. So langsam geht es an die Substanz und obwohl ich das schon vor Wochen gesagt habe, weiss ich langsam echt nicht mehr, wie es weiter gehen soll. Man soll ja auch aus Niederlagen das Positive ziehen: O.k. wir hatten 70 % (gefühlten) Ballbesitz. Die beiden Rückkehrer Reinhard und Wicky haben überzeugend gespielt. Es hat sich niemand verletzt, und es ist niemand vom Platz geflogen. So, und das war’s dann leider auch schon. Malte und ich bauen unsere Fahne ab und schlendern rüber zum Edeka Markt, nachdem wir eine Polizeikette „durchbrochen“ haben. Typisches Phänomen bei Auswärtsspielen: Man kommt aus dem Gästeblock und trifft auf die Staatsmacht, die einen daran hindern soll, die gegnerischen Fans zu attakieren. Wie lächerlich! Und während die Polizisten mit ein paar 16 jährigen darüber diskutieren, warum sie jetzt nicht den kürzesten Weg zum Bahnhof nehmen dürfen, mogeln Malte und ich uns Richtung Supermarkt. Dort treffe ich wieder auf Möller von dem ich mir einen Spruch einfange, warum ich denn nur Wasser trinken würde. Sorry, aber Alkohol heute nicht mehr bei mir. Das Elixier des Lebens soll mich wieder zurück ins Selbige holen. Nach einem Fussmarsch zurück zum Mainzer Hbf wird noch McDo aufgesucht. Leider müssen wir dort mal wieder irgendwelche Spackos davon abhalten, das U-Bahn Lied zu singen. Manche lernen es halt nie. Auf dem Bahnsteig lassen Malte und ich bei lau warmen Cheeseburgern und Chicken McNuggets das Spiel Revue passieren. Uns steht jetzt noch eine Fahrt nach Fulda und dann ein Umstieg nach Hamburg (zum Glück alles ICE) bevor. Ich schlafe auf der Fahrt nach Fulda wieder ein und muss mich jetzt hier wirklich mal bei Malte entschuldigen. Ich war wirklich keine gute Gesellschaft. Weder vorm Spiel noch danach. Sorry dafür. Ich hoffe, er fährt trotzdem nochmal mit mir irgendwo hin, wo dann zufällig auch der Hamburger Sport Verein das runde Leder jagt. In Fulda angekommen haben wir ca. 50 Minuten Aufenthalt. Und mir ist schlecht. So richtig schlecht. Muss wohl vom Alkohol kommen. Oder waren 4 Cheeseburger einfach des guten zuviel? Möller will mir noch ein Getränk eingiessen, aber ich lehne dankend ab. Allein der Gedanke an Schnaps lässt meinen Zustand nicht besser werden. Malte und ich kaufen Wasser im Supermarkt. Arschteuer, aber was soll man machen? Wieder auf dem Bahnsteig atmet Malte erstmal ne Tüte Chips ein. Wie kann er nur? Der hat doch genauso viel getrunken wie ich?!? Das ist alles nichts, wenn man alt wird. Ich glaube, Malte ist knapp einen Monat jünger als ich... Nun treffen wir wieder auf dei jungs vom schlechten Umgang (die, mit der Öttinger Kiste). Also ein Kfz dürfen die auch nicht mehr führen, und so lachen sie uns aus, weil wir nur Wasser trinken. Scheiss Gruppenzwang. Aber da bedarf es schon mehr, als nur ein paar Sprüche, damit ich heute nochmal Alkohol anfasse. Im Zug schlafe ich wieder ein. Arme Sau, Malte. Doch er unterhält sich mit der neuesten Ausgabe von „Rund“. Gute Zeitung, muss ich hier mal sagen. Irgendwo (Göttingen oder Hannover) steigen wieder die Ochsen mit ihren gelben Trikots von heute morgen ein. Das Maul reissen sie nicht mehr ganz so auf...haben 1:2 gegen Berlin verloren. Die Jungs vom schlechten Umgang statten uns noch den einen oder anderen Besuch ab. Ist auch ganz gut so, denn sonst wären die 3 Stunden von Fulda nach Hamburg wohl nie vergangen. Witzig noch zu erwähnen, dass in Hannover viele Reisende mit schwerem Gepäck einsteigen. Schön, immer die Panik in den Augen zu sehen, wenn die auf Fussballfans treffen. Am besten ist dabei der Spruch von einer Chinesin, die zu ihren beiden Reisebegleiterinnen sagt: „In den nächsten Wagon können wir nicht. Da sind so viele Fussballer drin mit Schlägereien und so. Wir sollen in Klasse eins gehen“ Was? Fussballer? Schlägereien? Konnte mir nicht wirklich vorstellen, dass Jarolim dort wirklich eine Schlägerei angezettelt haben sollte. Ich hatte keine Lust, mich mit Malte zu unterhalten. Das lag weniger an ihm, als viel mehr an meinem Zustand, dem 0:0 und dem hässlichen kleinen Mädchen gegenüber von uns. Es gibt manchmal Momente, da kann und will ich einfach nichts sagen. Und solch einen Moment hatte ich da. Als wir wegen einem liegen gebliebenen Zug noch 20 Minuten Verspätung hinnehmen müssen, ist meine Laune endgültig am Boden. Wie aus 20 Minuten in hinter Göttingen aber 40 Minuten bis Hamburg werden, ist mir schleierhaft. Dann endlich eine gute Nachricht: Kim, Maltes Freundin, holt uns um 0:45h vom Bahnhof ab. Jeder Auswärtsfahrer ist nur so gut, wie die Frau, die hinter ihm steht. Julie weiss, wovon ich rede. Dann ist endlich der Hamburger Hbf in Sicht und wir begeben uns in den Gang vor die Tür. Und jetzt kommt es doch noch zu einem Lacher. Ich hoffe, ich kann das jetzt halbwegs gut rüber bringen, aber ich versuche einfach mal zu verdeutlichen, was Alkohol aus Menschen macht anhand von diesem Dialog: Die beiden vom schlechten Umgang hatten sich kurz aus den Augen verloren. Nun stand der eine 2 Personen hinter mir und der anderen auf der komplett anderen Seite der Tür vor mir. Dazwischen ca. 10 Reisenden. Unter anderem Leute, die mit Fussball nichts am Hut haben. Malte, der Typ vom schlechten Umgang ruft also hinter mir: „JAN???“ Der andere gibt nur ein „Jäh“ zurück. „Haals Maul“ entgegnet Malte, der Typ hinter mir, daraufhin „Halt die Schnauze“ sagt Jan dann nur. Kurz und bündig. Und schon, hatten Sie sich wieder gefunden. Schön, oder? Kim bringt uns dann sicher zurück in unsere normale Welt. Es ist schwer, innerhalb von Minuten aus der Fussball Prollowelt zurück in die Real World zurück zu kommen, aber wir werden immer besser darin. Am Sonntag gewinnt tatsächlich Hannover 0:1 in Gladbach durch ein Tor von Balitsch in Minute 49. Das bedeutet, dass wir (mindestens) die nächsten 6 Tage auf Tabellenplatz 17 stehen. Aber halb so schlimm. Ich werde mich auch am Montag wieder dem Gespött der Leute aussetzen und über die zahlreichen Witze mit einem Lächeln drüber weg gehen, obwohl es unendlich weh tut. Nächste Woche ist zum Glück mal eine einfaches spiel, wo keiner einen Sieg von uns erwartet: München zuhause.