Bremen auswärts
Englische Anreise nach Bremen. Reisegruppe: Groni, Simon, ich und...Lars. Der hatte am Freitag eine Klausur geschrieben und verkündete, als wir Höhe Volkspark auf der Autobahn waren: „Heute schiesse ich mich richtig aus dem Leben!!!“ Es gibt Menschen, wenn die etwas von „aus dem Leben schiessen“ erzählen, habe ich angst. Lars gehört zweifelsohne dazu. Was das bedeuten sollte, bekamen wir an diesem Abend (einmal mehr) eindrucksvoll präsentiert. Um hier nicht den Rahmen zu sprengen, werde ich mich auf die High Lights beschränken. Bei Lars angekommen (ich bin zwar schon das zweite Mal hier, aber wie sein Dorf heisst, weiss ich immer noch nicht) gab es erstmal Haake Beck. Seine mutter hatte Fleischpizza gemacht. Nein, es ist nicht so wie ihr denkt: Pizza mit etwas Hackfleisch drauf, sonder so, wie Groni es an diesem Abend formulierte: Hackfleisch, mit etwas Pizza drauf! Sehr lecker. Danach weiter mit Haacke Beck und Poker. Hier stellte sich einmal mehr raus, dass ich doch mehr Glück in der liebe habe, als im Spiel. Es war mal wieder nichts zu holen für mich (oder gewinnen einfach nur die anderen immer???). Zwischnzeitlich kam aber auch unsere Alkoholvernichtungsmaschinerie in Gang und wir stiegen auf Red Bull/Wodka um. UCH eben... Nach einigen runden Poker (heute mal „no limit“) hatte ich dann doch noch meinen grossen Auftritt. Nachdem ich auch mal ein Spiel für mich entscheiden konnte, flutete ich leider den Tisch und das nagelneue Kartenspiel von Lars (wie übrigens sein ganzes Pokerequipment neu war) mit meinem alkoholischen Getränk. Oh, Mann. Die Peinlichkeit war auf meiner Seite. Zum Glück schon mit einem gewissen Glimmer versehen, konnte ich die Situation mit „Die Karten kann man ja waschen“ runter spielen. Oder habe ich das nur gedacht...egal. Wenig später hiess es: Auf ins Pam Pam! Eine regionale Dorfdisse, die heute mit Jim Beam/Cola für EUR 1,00 lockte. Dort angekommen, nahm ich mir schon bald meine erste Auszeit. 30 Minuten aufm Klo pennen, ehe ich von den anderen geweckt wurde. Tja, der aufmerksame Leser kann sich denken, wie es hier bereits um mich bestellt war. In der Folgezeit hatte ich noch das Vergnügen, mit dem Torwart aus Lars Mannschaft Whiskey/Cola zu trinken. Allerdings wurden mir hier schnell meine Grenzen aufgezeigt. Die 0,2 Gläser wurden von dem Sportskameraden einfach so weggeext! Und so stand es nach ca. 5 Minuten 2:0 für den Torwart. Ich hatte immer noch beide Gläser voll in der Hand, während er mir (mit zwei leeren Gläsern vor sich stehend) erzählte, dass er um 6:00h an der Melkmaschine stehen musste. Kurzer Blick von mir auf die Uhr...wir schreiben 3:00h!
So viel vorweg: Als wir um 4:00h das Pam Pam verlassen haben, war er immernoch dort! Kurz nach meiner Whiskey niederlage habe ich ein Gespräch mit einem Typ an einer anderen Bar, der irgendwie mitbekommen hatte, dass wir aus Hamburg kommen. Er hätte auch mal 2 Jahre dort gelebt, wo ich denn her kommen würde. Auf meine Antwort, dass ich in Fuhlsbüttel leben würde, entgegnete er nur, dass Fuhlsbüttel doch gar nicht in Hamburg wäre sondern ein Vorort. Da ich keine Diskussion mit eventuellen Streitereien riskieren wollte, liess ich ihn in diesem Glauben. Kurz bevor wir die heiligen Hallen verlassen wollten, versuchten Groni und Lars noch einen Arbeitsnachweis aus dem Alkoholtester zu bekommen. Leider scheiterte das Unternehmen mangels Strohhalmen. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Lars allerdings versucht, das Ding ohne Strohalm mit Daten zu füttern... Vor der Tür dann mal wieder „Bühne Frei für Lars Wendelken!“ Er reisst die Tür des erstbesten Taxis auf und ruft dem Fahrer zu “Schläfst du schon, oder fährst du noch Taxi!“ Ganz grosses Kino... UM ca. 4:15h erreichen wir das Haus der Wendelkens und wer schon mal mit Lars unterwegs war, weiss, dass dann noch lange nicht Schluss ist. Kurz AC/DC „Live in München“ eingelegt, Bier und kalte Fleischpizza auf den Tisch und die Surroundanlage bis Anschlag (!!!) aufgedreht, und schon geht die Party weiter. Allerdings nur für Lars. Simon geht nach 5 Minuten zu Bett, ohne einen Ton zu sagen und Groni und ich lassen um 5:00h Lars allein. Die Enttäuschung über das frühe Ende in Lars Gesicht lässt mich völlig kalt. Ich will nur noch ins Bett. Danke Jungs...einer der ganz grossen Abende geht zu Ende!
Samstag. Spieltag. Meine Augen gehen das erste Mal um 9:30h auf. Kurzer Systemcheck: Hmm...guter Geschmack im Mund, Leichte Kopfschmerzen, aber sonst alles gut. Leider hatte das zimmer in dem wir genächtigt hatten kein Rollo (oder wir haben es nicht gefunden) und so scheint die sonne volles Programm rein. Egal, 9:30h geht gar nicht. Also kurz umgedreht und weiter gepennt. Um ca. 10:15h drückt dann die Blase und ich muss raus. Groni ist jetzt auch wach und als ich so von der Horizontalen in die Vertikale wechsele, wir der ganze Schaden merkbar, den mein Kumpel Jim mit seinem roten Pferd gestern angerichtet hat. Meine Güte, ist mir schlecht. Dieser Zustand bessert sich auch die nächsten Stunde nur wenig. Und schon gar nicht, als ich mit ansehen muss, wie Lars, Groni und Simon noch im Bett schon wieder Bier trinken. Ich sehe ernsthaft meine 34er in Gefahr, weil ich nicht aufstehen kann/mag/will. Wir wollen um 11:50h den Zug Richtung verbotener Stadt nehmen, korrigieren das dann aber doch auf 12:50h. Danach gibt es Kassierer zum Frühstück! Mein Zustand wird nicht besser, sondern schlechter. Ich muss aussehen, wie der Tod persönlich. Zumindest fühle ich mich so. Und nun wollen die Jungs auch noch fussi im Garten spielen. Sind die immun gegen Alkohol? Um 12:30h fährt Lars Vater uns zum Bahnhof. Die Eintrittskarten für Werder gelten auch für die Regionalzüge. Auf dem Bahnsteig schon jede Menge hässliche Menschen mit grünen Schals, die nach dem 3:0 unter der Woche gegen Ajax nur darauf warten, uns so richtig den Arsch zu versohlen. Es ist ein traumhaftes Derbywetter und wenn die Ausgangslage nicht so aussichtslos wäre (ich habe meinen Buli Tipp von 1:1 doch noch auf 2:1 für Bremen geändert) würde ich mich sogar aufs Spiel freuen. Aber zunächst muss ich mal diese Übelkeit in den Griff bekommen. In der Bahn reicht es mir dann und ich setze auch mein erstes Bier an. Als wenn Strom durch den Körper fliesst ist man sofort wieder auf 180. Die 36 Minuten zum Bremen Hbf vergehen wie im Flug. Dort angekommen treffen wir auf viele Grün-Weisse (einige mit Schusswaffen, andere mit Bierflaschen), einige Blau-Weiss-Schwarze und Passanten, die den Mund vor staunen über so viel prolliges Fussballvolk nicht wieder zu bekommen. Nach kurzem, planlosem Rumstehen an der Strassenbahnhaltestelle entscheiden wir uns für den Fussmarsch zum Weser Stadion. Dieser führt uns duch einen Park direkt ins Kneipen- und Rotlichtviertel von Bremen. Natürlich nicht mit dem Hamburger Kiez zu vergleichen, aber dennoch macht es einen kriminellen und prostituierten Eindruck. Und so kommt es, wie es kommen musste. Ich erspähe in einer Seitenstrasse eine Trennwand ähnlich der Trennwände zur Herbertstrasse und denke mir nur kurz „Hoffentlich sieht der betrunkene Lars die nicht!“ 5 Sekunden später höre ich nur von hinten:“Ey Jungs, das müsst ihr sehen!“ Na toll! Wir betreten die Sündige Meile und ich bin beeindruckt: doppel- und teilweise dreistöckig sind hier die Glaskästen, wo die Damen ihre dienste anbieten. Jetzt ist natürlich alles zu, aber man sich vorstellen, was hier heute Abend wieder abgeht. Darauf kann Lars aber nicht warten und zückt seine Kamera. „Das ist ja so geil, das muss ich fotografieren!“ triumphiert er. Das findet eine Nutte im Jogginganzug (offensichtlich gerade Schichtpause) gar nicht witzig und keift ihn an „Ey, hier werden keine Fotos gemscht! Hier stehen Autos!“ „Ich hab doch gar nicht fotografiert“ sagt Lars, als gerade der Blitz seiner Kamera losgeht. Groni versucht auf seine eigene Art den Konflikt zu entschärfen und meint zu ihr, dass wir jetzt gehen werden. „Er soll das Bild löschen, sonst hol ich die Polizei!“ Aber da haben wir den sündigen Ort schon verlassen. Oh Mann. Irgendwie bleibt man bei solchen Ereignissen doch lieber etwas entspannter und fängt nicht noch an, rum zu motzen. Sonst springt vielleicht gleich der Gorilla der Alten aus seinem 500er SLK und haut uns zu Püree. Der Fussmarsch dauert nun doch schon länger als erwartet, aber schliesslich ist der Taubenschlag in greifbare Nähe gerückt. Wenn Lars nicht mal wieder eine neue Bekanntschaft gemacht hätte. Diesmal mit einem Typ, der total voll ist, aus Süd Afrika kommt, seine Kumpels verloren hat und nicht weiss, ob er für die Blauen oder Grünen sein soll. Vor dem Taubenschlag dann wieder jede Menge Idioten. War das schon immer so, oder war ich sonst einfach immer zu voll, um das zu merken. Assiges Fussballvolk und Typen, die Fascholieder gröhlen. Ich dachte, diese Zeiten hätten wir hinter uns, aber leider muss ich mich mal wieder schämen, die gleich Farben wie diese Trottel zu tragen. In diesem Fall ist es besonders schlimm, weil die in der Überzahl sind und für meinen Begriff über deutlich mehr Kampferfahrung verfügen. Und so müssen wir tatenlos zusehen und zuhören, wie „SCHWARZ WEISS BLAU – FASCHISTEN HSV!“ gerufen wird. Das die HSV Fans keine Kinder von Traurigkeit sind, ist bekannt und das finde ich auch nicht schlimm. Aber das ist Scheisse! Aber was sollen wir tun? Die Verantwortlichen sagen immer: Zivilcourage beweisen! Wenn ich jetzt Zivilcourage beweise, wache ich 8 Wochen später aus dem Koma in einem Bremer Krankenhause auf. Nicht mal die Polizei greift ein. Will wohl keinen Zwischenfall provozieren, denn darauf warten die Jungs nur. Um 14:35h machen wir uns Richtung Stadion auf den Weg. Am Eingang zum Auswärtsbereich mal wieder Chaos. Und das Fussballvolk kann nichts dafür. Mitlerweile sind auch Julian und Steven mit von der Partie und wir stellen uns an. Etwas anderes bleibt uns nicht über. Heute hat sich der Ordnungsdienst etwas ganz besonderes einfallen lassen: Einen Korridor vor dem eigentlichen einlass, in den nur Schubweise Menschen gelassen werden. Leider hat man cleverer Weise einer Frittenbude erlaubt, unmittelbar vor dem ersten Einlass ihre Produkte an den Fan zu bringen. Und so wird es noch zusätzlich eng. Kompliment! Nach geschlagenen 20 Minuten Gedränge bin ich endlich drin. Lars holt schon wieder Bier und ich bekomme einen Becher mit Diego drauf ab. Unmittelbar vor dem Block treffen wir Ken, Willy und Tim, die ebenfalls super genervt von den Einlasskontrollen sind. Lars haben wir (mal wieder verloren). Um 15:20h gehen wir in den Block und ich sehe noch die Choreo der Bremer. Eine grosse Folie, auf der eine Uhr tickt. Unsere Zeit wäre abgelaufen. Mal sehen, ob die Klugscheisser recht behalten. Die Folie fällt und es kommt das nächste Spruchband zum Vorschein. „AUF GEHTS INS LETZTE DERBY“ steht dort. Geben sich ja heute besonders viel Mühe, uns zu ärgern. Ist wohl so, wenn man sonst nichts im Leben hat. Der Block ist sehr voll und wir versuchen uns nach links an den Rand durch zu schlagen. Dafür bedarf es einiger Kletterkunst und leider verlieren wir dabei tim, Willy und Ken. Groni wartet draussen auf Lars und so bleiben nur Simon, julian und ich über. Wo Steven ist, weiss ich nicht. Wir schlagen uns nach links unten durch und haben plötzlich einen super geilen Platz: hinter einer Plexiglasscheibe, getrennt von den Bremer Sitzplätzen und mit jeder Menge Platz, weil hier wohl keiner drauf gekommen ist. Die Mannschaften sind schon auf dem Platz und Steven überrascht mal wieder: Rost, Benjamin, Reinhardt, Mathijsen, Atouba, Mahdavikia, Jarolim, Laas, Sorin, van der Vaart, Olic. Das ist die Startelf. Kein de Jong als Zerstörer für Diego! Das Spiel beginnt und schnell wird klar, was hier in den nächsten 90 Minuten abgehen wird. Bremen optisch überlegen, HSV auf Konter wartend. Das können wir ja so unheimlich gut. Und nach 2 Minuten hat Klose schon die erste Chance, aber sein Schuss bleibt zum Glück nur ein Warnschuss. In der Folgezeit ist Bremen optisch überlegen, wie man immer so schön sagt, aber wir stehe gut hinten drin, können teilweise relativ leicht die Bälle erobern. Anstatt dann aber etwas gefährliches draus zu machen, werden die Bälle oftmals leicht wieder verschenkt. Von Diego sieht man nur wenig, und Frings ist zwar bemüht, aber ein Mann alleine kann die gute HSV Abwehr nicht knacken. Mathijsen steht super und auch Atouba ist fast wieder der aus der letzten Saison. Olic wie gegen Dortmund...harmlos und irgendwie verunsichert. Er muss da vorne den Alleinunterhalter geben, was ihm irgendwie gar nicht liegt. Jeden Ball verliert der Kroate. Erst in der 39. Minute Diego wieder mit einer Chance, aber so richtig zwingend ist auch das nicht. Tja, ist wohl doch so, wie Groni mir unter der Woche geschrieben hatte: die besten Amsterdammer sind bei uns! Kurz vor der Halbzeit (42.) beginnt dann der Traum Wirklichkeit zu werden. Mehdi auf rechts, flankt kurz in den Strafraum, Jarolim ist vor Jensen am Ball und der kann den Tschechen nur noch durch ein Foul stoppen. Was heisst Foul? Dadurch, dass er einfach zu langsam war, fällt Jarolim über sein Bein. Dennoch, keine Diskussion! Elfer!!! Geiles Ding! Der dritte Strafstoss im dritten Spiel unter Stevens. Normalerweise schiesst van der Vaart ja immer unten rechts. Das weiss Wiese auch. Aber diesmal verwandelt der kleine Engel halb hoch links und Wiese, die Schillerlocke, fliegt ins völlig falsche Eck! 0:1!!! 5.000 HSVer in Ekstase und auch wir hüpfen hinter der Glasscheibe auf und ab wie die Gummibärenbande! Die eine Minute Nachspielzeit kommt mir wie eine Stunde vor, aber dann ist Halbzeit! Sieht gut aus, bis hier. Habe ich mir in Berlin auch gedacht... Jetzt schaffen es auch Groni, Lars und Steven zu uns. Lars hält die traurigen Überreste seiner Fossil Big Tic in den Händen. Angeblich hätte einer auf Toilette zu ihm gesagt, ob das seine Uhr wäre, die da am Pinkelbecken liegen würde. „Meine trage ich ums Handgelenk!“ antwortete er da etwas übereilt, denn als er den Ärmel hoch schiebt muss er sehen, dass die Uhr weg ist. Tatsächlich! Das war seine Uhr! Laut Lars „einfach so von der Hand gefallen...“. Ich habe keine Ahnung, was der Besufski wieder gemacht hat. Aber es ist einmal mehr eine tolle Lars Geschichte! Die zweite Hälfte beginnt und die Bremer Spackenkurve zeigt uns eine erneute Kostprobe ihrer Kreativität. Eine grosse HSV Raute wird zerfetzt und ein Spruchband teilt uns mit, dass wir jetzt auseinander genommen werden. Na, hoffen wir mal für euch, dass die Herren Diego und Frings mindestens genauso kreativ aus der Kabine kommen wie ihr. Allerdings beginnt die zweite so, wie die erste Halbzeit geendet hatte. Mit einem Sturmlauf der Bremer, und einer HSV Defensive, die gut dagegen hält. Diego mit einem Drehschuss in der 55. Minute ist erstmal das Gefährlichste, was die grün weissen zustande bringen. Übrigens: Die grün weissen in der Kurve bringen noch weniger Leistung, als ihre Mannschaft. Von denen ist hier hinter der Plexiglasscheibe gar nichts zu hören. In der 63ten kommt Almeida für Rosenberg und ich befürchte, dass der Typ, der sonst nicht mal den berühmten Möbelwagen trifft, heute gegen uns netzt. Die Bremer kommen aber weiterhin nur über Standards zu Torchancen. In Minute 64. klärt Reinhard mit dem Kopf zur Ecke. Sah auch schon mal anders aus, diese Saison. Zwei Minuten später setzt Klose einen Frings Freistoss (Frings hat für mich übrigens ein sehr gutes Spiel gemacht) Zentimeter am Kasten vorbei. Zusammen mit dem Schuss aus Minute 2 und einem üblen Einsteigen gegen Rost sind das die einzigen drei Male, die ich Klose heute sehe! Jetzt geht das Spiel in die heisse Phase und Raffi zeigt endlich mal wieder, warum er in der Lage ist, auch gegen Bremen, den Unterschied auszumachen. 71. Minute, mein kleiner Engel legt sich einen halbhohen Ball mit der Hacke über die verdutzte Bremer Abwehr vor, steht alleine vor Wiese, schiebt den Ball aber leider Zentimeter am Kasten vorbei und wird von Wiese, der dummen Sau, zu Boden gestreckt. Der hatte nämlich befürchtet, das Tor des Jahres zu kassieren und wollte Raffi dafür gleich mal die Knochen brechen. Blöder Wichser! Aber solche Typen straft man nur durch Leistung: 74. Minute, van der Vaart auf rechts, flankt butterweich und Sorin überspringt einen Bremer Abwehrspieler. Der Ball klatscht unter die Latte und es steht 0:2!!! Spontan greife ich mir Simon neben mir und bekomme somit die Bierdusche nur am Rande mit. Dann will ich zu Groni, doch was macht der? Kein Jubel, keine Regung, kein gar nichts. Kircher hat Abseits gepfiffen. Diese Meinung hat er allerdings Exklusiv, denn selbst ich kann aus 250 Meter erkenne, dass Sorin erst rechts neben seinem Abwehspieler steht und dann rein läuft. Kann also gar kein Abseits sein! 1 Sekunde später klingelt mein Handy und Lüth schreibt mir, dass es definitiv kein abseits war. Sauerei! Aber ein gutes hatte dieses geklaute Tor: Die Sozialarbeiterin mit ihrem Spackenkind vor uns, die uns schon das ganze Spiel auf den Keks ging, hat ordentlich Bier abbekommen und stand nur fluchender Weise beim Ordner. Was soll der denn jetzt machen, frage ich mich. Danach deutet sie immer wieder in unseren Block und macht die Scheibenwischerbewegung. Jetzt wird es mir zu dumm und ich winke ihr mit einem freundlichen Lächeln zu. Sie deutet auf ihren Sitz, der vor Bier nur so schwimmt und ihren missratenen Sohn, dessen hässlicher grüner Schal voll Bier ist. Zum Glück kann ich sie wegen der Plexiglasscheibe nicht verstehen und habe jetzt auch gar keine Zeit, mich mit solchen Unwichtigkeiten zu beschäftigen. Nur so viel: Was hat sie denn erwartet, wenn sie sich Karten eine Reihe vorm Auswärtsblock kauft? Es bleibt also beim 0:1 und ich spüre den Zorn in mir aufsteigen. Wenn wir wegen einer solchen Ungerechtigkeit noch den Sieg aus der Hand geben... 5 minuten später wieder Sorin, der auf halblinks aus 18 Metern einfach mal eine Kanone abfeuert. Wiese kann nur mit Problemen den Ball um den Pfosten lenken. Zwischenzeitlich immer wieder Standards für Bremen, aber ohne Erfolg. In der 82. Minute kommt de Jong für Laas. In der 67. war übrigens Sanogo für Olic gekommen. Und jetzt kommt die Minute 87. die die anwesenden nicht so schnell wieder vergessen werden. Befreiungsschlag de Jong, der Ball landet in der Bremer Hälfte und springt einmal auf. Der eingewechselte Bremer Niemeyer im Zweikampf mit van der Vaart. Niemeyer rutscht aus (oder hat Raffi clever seinen Po eingesetzt???) und van der Vaart ist allein auf dem Weg auf das Bremer Tor zu. Die, die noch sitzen erheben sich von ihren Plätzen, die Hälse recken sich, die Münder gehen immer weiter auf. Raffi läuft immer weiter, ist jetzt schon im Strafraum und schiebt den Ball unter Wiese durch. Im Stadion kann ich es nicht klar erkennen, deswegen warte ich, bis sich das Netz bewegt. Aber da dreht Raffi schon ab und läuft jubelnd auf die Bremer Kurve zu. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Ein einziges lautes Grollen bricht aus 5000 Hamburger Kehlen und ich weiss gar nicht, wen ich zuerst umarmen soll. Kurz höre ich noch die Worte „Er gibt es!!!“ und da schnappe ich mir Groni, der diesmal auch jubelt. Als ich wieder zu mir komme, sage ich zu Julian: „Das schafft Bremen nicht mehr!“ und bin mir dabei so unsicher wie noch nie in dieser Saison! Kircher lässt noch scheinbar ewig nachspielen, aber dann haut er in sein Horn und wir sind Derbysieger!!!
Nach dem Abpfiff geht es ab auf die Eisenstangen, die als Sitzverankerung dienen. Mensch, ohne die Plexiglasscheibe ist die sicht doch besser, denke ich mir, als ich drüber weg schauen kann. Der HSV Tross bewegt sich auf die Kurve zu und ich glaube jeder schmeisst sein Trikot in die Menge! Danach wieder das übliche UFFTA-Nur-Der-HSV Frage/Antwort Spielchen, welches leider von der Bremer Stadionwerbung aus den Lautsprechern gestört wird. Wir machen uns bald auf den Heimweg. Julian nimmt uns mit dem Auto mit. Ich muss noch zum Geburtstag meiner Mama. Aber die hat Verständnis für mein Hobby. Nach Verabschiedungen von Simon, Lars und Steven, einer Currywurst vor der Bremer Gegengerade und jeder Menge lästernder Bremer („Hamburg Fans, Hamburg Fans, nehmt euch Montags frei, denn da läuft im DSF die Bundesliga2“ machen wir uns auf den Weg zum Auto. So richtig kann ich mich noch nicht über den Sieg freuen. Es gibt zu viel Störgeräusche: Platz 16, Mainz gewinnt in Berlin, Aachen gegen Bayern und Wolfsburg holt noch einen Punkt gegen Schalke. Kann man sich denn auf gar keinen mehr verlassen? Der Parkplatz ist genial und so sind wir super schnell auf der Autobahn. Noch ein kurzer Stop bei Mc Do und nach gut einer Stunde lässt Julian Groni und mich an der S-Bahn Bahrenfeld raus. Jetzt schnell nach Hause, duschen, umziehen und mit Julie zum Geburtstag meiner Mutter. Aus einer Kneipe in der Nähe von Ohlsdorf höre ich noch Betrunkene HSV Siegeslieder singen. Als wir beim Kegelclub meiner Eltern ankommen, sind meine Eltern begeistert vom HSV! Super Spiel, heisst es... ich weiss. Ich habe es gesehen. Ich habe sie alle gesehen und ich werde alle sehen...
Nächste Woche schiessen wir uns gegen Frankfurt aus dem Keller! Jetzt glaube auch ich wieder fest an den Klassenerhalt und auf ein weiteres Derby in Bremen!
