Sonntag, Oktober 01, 2006

Frankfurt auswärts


Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass diese Tour nach Frankfurt etwas ganz besonderes werden sollte. Einen Tag nach dem 119 Geburtstag des HSV mit dem Bus mitten in der Nacht nach Hessen, eine Niederlage in Moskau im Hinterkopf und der Hoffnung, dass doch nun endlich der Knoten platzen müsste. Die Frankfurter hatten sich unter der Woche in Bröndby wenig überraschend für die Gruppenphase des Uefa Cups qualifiziert und die Zeitungen schrieben von einem Vorteil für den HSV, weil die Eintracht nur 44 Stunden Regeneration hatten. Ich halte von so was ja nichts. Ich glaube eher, dass wir im Nachteil waren, weil wir gegen Moskau am Dienstag sehr ängstlich 1:0 verloren hatten und die Medien nun schon 3 Tage auf uns eindroschen. Da bewirkt doch das Weiterkommen im Uefa Cup eher noch die Freisetzung von Kräften, als das es schwächt. Also ohne etwas vorweg zu nehmen: Ich habe bei der Eintracht keine Ermüdungserscheinungen feststellen können.

Um 4:00h (!!!) klingelte der Wecker. Eine bekannte deutsche Rockband sang einmal „Durst und Schweiß heißt der Preis um Triumphe zu erleben“. Und das sage ich mir auch immer wenn ich das Gefühl habe, dass die Stimme aus dem Radiowecker nur eine Illusion sein muss. Kurzer Blick auf das Handy: SMS von Groni. Gesendet: 1:45h! Zitat: „Das kann ja heiter werden morgen“ Hut ab, Herr Groninger. Am Vorabend noch saufen gehen, obwohl man weiss, das die Nacht sehr kurz wird. Die Freiheit nehme ich mir, hast du dir wohl gedacht :-) Gegen 4:35h schnappe ich mir die Kiste Bier, schwinge mich auf mein Fahrrad in Richtung Ohlsdorf, wo um 5:08h die Herren Lüth und Westphal in der Bahn sitzen sollten. Tim hatte wohl schon etwas viel Kaffee getrunken, ansonsten kann ich mir nicht erklären, wie man um diese Uhrzeit schon so viel zu erzählen hat. Um 5:30h treffen wir am ZOB Wilhelm, wenig später Malte. Groni war auch auf dem weg, zumindest hatte er mir dies um 5:00h noch versichert. Gut, so sagte er, ginge es ihm aber nicht.

Ziel war es, im Bus die letzte Bank zu ergattern, damit das Pokerturnier beginnen konnte. Immerhin hatte jeder reichlich ein und zwei Cent stücke eingepackt. Das Unternehmen Letzte Reihe ging allerdings komplett in die Hose. Wir sind halt manchmal etwas unclever wenn es darum geht, sich die besten Ausgangssituationen zu sichern. Und so saßen wir ganz vorne im Bus neben und hinter der Reiseleitung. Wie sich später herausstellen sollte, was das das Beste, was uns passieren konnte, denn Busreisen haben neben wenig Luxus noch etwas anderes zu bieten: Nervige Reisebegleiter! Mir ist es schleierhaft, wie die ca. 13-15 jährigen im hinteren Busteil 5 Stunden (nachdem sie das erste Bier ausgetrunken hatten) durchsingen konnten. Nervig hoch 3! Und so blieb uns nichts anderes übrig, als die Zeit mit Poker spielen, Alkohol konsumieren und Studium der eingepackten Literatur (Bild, MoPo, Praline) tot zu schlagen. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Flo beim Poker ein Spiel nach dem anderen gewonnen. War ja auch keine Kunst bei dem Outfit: Cap und Sonnenbrille... wie die ganz grossen auf DSF! Was den Alkohol angeht haben wir eine gute Performance hingelegt: Nach meinem Wissen haben wir 1 Kiste Bier, 2 Flaschen Wodka und eine halbe Flasche Whiskey weg gemacht! Nicht schlecht, wie ich meine! Leider bekam der Reisegruppe im hinteren Teil des Busses der Alkohol nicht so gut wie uns und so wurde ein ums andere Mal lautstark „Pinkelpause!!!“ gefordert. Naja und so verging die Zeit bis Frankfurt eigentlich schneller, als gedacht.

In Frankfurt mal wieder eine Beispiel für die Inkompetenz in der Servicewüste Deutschland: Der Busfahrer hatte in sein Navi „Eintracht Frankfurt“ eingegeben. Leider führte uns das nicht zur Commerzbank Arena, sonder zur Geschäftsstelle der SGE. Also wieder zurück durch den Stau in der Innenstadt und wieder auf die Autobahn. Dann der nächste Aufreger: Prinzipiell halte ich ja einen Menge von einem dynamischen Park-Leit-System. Allerdings ist auch dieses System nur so gut, wie die Leute, die es bedienen. Es war klar der Busparkplatz ausgewiesen, wo wir parken sollten. Als wir dort aber ankamen, sagte uns der Parkplatzwächter, dass man hier heute nicht stehen kann. Der Grund: Ein großes Arena Zelt! Super Sache! Dann führt uns doch gar nicht erst hierher, ihr Spacken! Also ab auf den nächsten Parkplatz. Dort hatte sich leider schon ein Stau gebildet und es war kein Parkplatz in Sicht, da wir direkt in einem Wald standen. Naja, nicht um sonst hieß das Stadion bis vor kurzem noch Waldstadion! So, und nun drohte die Situation zu eskalieren. Wir hatten nämlich nicht nur eine nervige Gruppe von singenden Vorpupatären bei uns im Bus, sondern auch noch eine Auswahl für die „Miss Hässlich 2006 Wahl“! Die Damen hatten unser Klo im Bus bereits verstopft (wie und mit was überlasse ich jetzt der Fantasie des Lesers) und auch auf den Rastplätzen nicht unbedingt durch soziales Verhalten geglänzt. Erst auf dem letzten Parkplatz war es zu folgender Szene gekommen: Lange Schlange vor der Damentoilette. Sicher, wir Männer haben es einfacher. Da wurde kurzerhand der Wall geentert und seine Blase entleert. Da haben es die Damen natürlich schon schwieriger. Warum aber erst eine Raucherpause gemacht wird und sich dann erst an der langen Schlange angestellt wird, grenzt an einem Skandal! Kann die blöde Kuh nicht in der Schlange rauchen? So was verzögert nur die Abfahrt, aber dazu reichte wohl der Verstand dieser Talk-Show-Guckerin nicht aus! Und nun im Stau auf dem Weg zum Parkplatz fordert doch tatsächlich eine aus dieser Gruppe, dass der Busfahrer gefälligst die Tür aufmachen sollte, damit sie mal pinkeln gehen kann. Die Reiseleitung hatte nach dem eben schon erwähnten Parkplatzeklat extra angesagt, dass nun keine Pinkelpausen mehr eingelegt werden. Sie hätte halt nicht so viel trinken dürfen. 2 Gläser Cola, versicherte sie. Bestimmt!

Egal. Auch diese peinliche Situation wurde überstanden und um ca. 14:15h erreichten wir unseren Parkplatz. Diese ganze Fahrerei in Frankfurt hatte uns wohl bestimmt 45 Minuten gekostet. Also nichts wie auf zum Stadion. Die Einlasskontrollen, welche sich schon weit vor dem Stadion befinden, waren heftig. Das grenzte schon an wildem Gefummel aus Teenagerzeiten, was der Ordner dort mit mir anstellte. Dann lag das Stadion vor uns. Leider habe ich das alte Waldstadion nie aus der Nähe zu Gesicht bekommen, daher kann ich leider nicht berichten, wie es vorher war. Noch schnell ein Foto fürs Sammelalbum und nun aber hoch zum Bierstand. Und da war es wieder. Diese Unsitte, die sich in immer mehr deutschen Stadien breitmacht: Mit Bargeld wird man nichts. Erst so eine blöde Karte kaufen, wo dann das Geld „draufgespielt“ wird. Mindestumsatz: 10 Euro. Ich habe mir auch lange nach dem Spiel noch mal über dieses Thema meine Gedanken gemacht. Für den Heimfan, sicher eine gute Sache. Da lädt man einmal diese Karte mit 50, 100 oder wer weiß wie viel Euro auf und kann damit dann bequem die nächsten Heimspiele bezahlen. Aber für den Gästefan ist dieses System doch nur Schikane. Meistens ist es ja nun so, dass man nicht mehr ganz nüchtern im Stadion ankommt. Und dann will man natürlich noch weiter trinken, muss aber in seinem Zustand erstmal eine solche Karte auffüllen. Hinterher denkt man nicht dran, dass Guthaben auf der Karte wieder einzufordern und so wird dem Heimverein schlichtweg Geld geschenkt! Oder man muss schnell seinen Zug erreichen, und hat keine Zeit, sich das Geld wieder auszahlen zu lassen. Auf Schalke habe ich noch eine zusätzliche Abzocke seitens des Vereins erlebt: 10 Kassen zum umtauschen von Geld vor dem Spiel, eine Kasse nach dem Spiel zum zurück tauschen! Ist doch klar, dass da jemand sagt: Hey, da stelle ich mich nicht noch an und pfeife auf die 2 Euro, die ich noch auf der Karte habe. Und schon hat sich der Vereine etwas Geld dazu verdient, weil beim nächsten Besuch in vielleicht 1 ½ Jahren die Karte eh schon längst verloren wurde. Kann man nicht ein solches System einführen, welches bei Möglichkeiten bietet? Der Heimfan könnte z.B. mit seiner Dauerkarte bezahlen, während der Auswärtsfan weiterhin in Bar bezahlt. Möglich ist das bestimmt, aber seit wann wird denn auf Auswärtsfans Rücksicht genommen? Wie gesagt, ich halte da wenig von. Nun gut, dank Flo bekamen wir dann doch noch unser Bier.

Unsere Plätze waren Weltklasse. Für 21 Euro reihe 1 hinterm Gang auf dem Oberrang. Schnell noch ein par Fotos mit unserem Banner und dann auf die kommenden 90 Minuten konzentrieren. Ich muss gestehen, dass die Erinnerungen an die Zeit im Stadion etwas schwammig sind. Sollte der Wodka etwa doch spuren hinterlassen haben?

Das Spiel beginnt. Und es läuft so, wie eigentlich jedes Spiel in dieser Saison. Wir haben mehr Ballbesitz, spielen gefällig uns die Bälle im Mittelfeld zu. Leider bekommt man dafür beim Fussball keine Punkte. Und da liegt zurzeit der hacken. Punkte kriegt man bekanntlich nur, wenn man mindestens ein Tor mehr als der Gegner schießt. Und das ist uns nun schon 11 Spielen Saisonübergreifend nicht gelungen und es sieht auch heute wieder nicht so aus. Sobald der Ball nach vorn kommen soll, ist die Kugel weg. Luboja und Sanogo bekommen kaum Bälle. Und wenn doch, stehen sie mit dem Rücken zum Tor und werden alleine gelassen. Das ist gar nichts. Da ist kein Leben, kein Feuer, kein Siegeswille zu erkennen. Das war wohl die schlechteste Halbzeit dieser Spielzeit. Trochowski ohne Ideen, de Jong ein Sicherheitsrisiko. Einzig Alex Laas, der erstmalig in der Startformation steht macht einen engagierten Eindruck. Und so kommt’s, wie es kommen muss. Freistoss für Frankfurt von der rechten Seite. Reinhard kann nicht klären, Kuddelmuddel im Strafraum, irgendwie kommt Alex Meier an den Ball und schiebt die Kugel ins lange Eck. 1:0 für Frankfurt. Geile Sache! Nicht schon wieder......!

Kurz darauf verletzt sich Reinhard. Sieht nach Oberschenkelzerrung aus. Bitter für ihn. Gerade am Freitag hatte er der MoPo noch ein Interview gegeben, in dem der sonst so ruhige und zurückhaltende Innenverteidiger nicht nur weniger gesabble und mehr Kampf gefordert hatte, sondern auch noch selbstbewusst sich als Stammkraft bezeichnet hatte. Für ihn kommt der zuletzt schwache Mathijsen. Das Spiel wird nicht besser. 44. Minute. Freistoss aus guten 25 Metern für den HSV. Ich denke mir noch so: Warum sollten wir in der momentanen Situation einen 25-Meter-Freistoss reinhauen? So läuft Fussball nicht. Ich bilde mir manchmal ein, dass ich schon so viele Spiele gesehen habe, dass die Spielverläufe lesen und voraussehen kann. Und ein 25 Meter Freistosstor passt hier jetzt so gar nicht hin. Und leider hatte ich recht: Das klatschen des Balles an die Latte haben wir auf dem Oberrang noch vernommen. Scheisse! Warum hast du nur so viel Ahnung!!!??? Halbzeit.

In der Halbzeit wird die zunehmend schlechte Situation diskutiert. Tim regt sich (für meine Begriffe zu Recht) auf. Da klatscht von hinten ein voller bierbecher auf uns nieder. Die Typen hinter uns sind zwar HSV Sympathisanten, allerdings nervt mich ihr süddeutscher Dialekt. Tims Sitz, Klamotten und mein Hose bekommen Bier ab. Nach Diskussionen mit dem Typ denke ich mir nur so, hoffentlich sind die beiden Vernünftig, sonst können wir uns die zweite Halbzeit im Bus am Radio anhören. Und so ist es dann auch. Rückblickend ist die Situation aber für mich immer noch nicht ganz klar. Der Typ saß ganz ruhig auf seinem Stuhl. Warum sollte er dann „ausversehen“ seinen Bierbecher umwerfen? Vielleicht hat Tim ihm doch etwas zu sehr gepöbelt... vielleicht aber doch nur ein blöder Zufall.

Das Spiel beginnt wieder. De Jong ist draußen, dafür Fillinger drin. Ist das schon Verzweiflung von Doll? Mit Nichten! Fillinger schnappt sich den Ball und dribbelt Richtung Strafraummitte, als er gefoult wird. Jetzt sind es nur noch gute 19 Meter Torentfernung. Diesmal läuft Sorin an. Seit wann schiesst der Freistösse? Kling...wieder Latte. Das kann doch nicht wahr sein!!! Diese beiden Lattentreffer scheinen die Truppe wach gerüttelt zu haben. Plötzlich ist Kampf und Wille Erkennbar. Laas mit Superpass in den freien Raum auf Luboja und der, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte, schiebt das Ding unter Pröll hindurch zum 1:1. Grenzenlose Extase!!! Und es ist wie nach jedem Tor: Man umarmt Leute, die man noch nie gesehen hat! So auch diesmal. Allerdings glaubte ich, dass der Typ ein Kumpel oder Arbeitskollege von Lüth ist, weil die beiden doch in der Halbzeit geklönt hatten. Später sagt er mir, dass er den Typ noch nie im Leben gesehen hat!
Die Freude über den Ausgleich hat nicht lange bestand. 5 Minuten Später wieder Freistoss der Eintracht. Wieder eine unsortierte Hamburger Hintermannschaft und nur Amanatidis schallten am schnellsten. 2:1. Wir haben in dieser Saison 8 Gegentore bekommen.....5 davon nach Standardsituationen. Das sind immer solchen Horrorstatistiken, die man über Abstiegskandidaten wie Bochum und Cottbus hört, aber doch nicht über uns. Meine Fresse! Der Frust sitzt jetzt tief. Mathijsen mäht einen Frankfurter von hinten an der Seitenauslinie total übermotiviert um. Also für mich war das Rot, zumal in dieser Saison schon HSVer für weit weniger vom Feld gegangen sind. Schiri Fleischer belässt es bei einer gelben Karte. Und spätestens da fällt mir wieder die Statistik aus der Bild ein, die besagte, dass letzt Saison alle 4 Auswärtsspiele unter Fleischer gewonnen wurden. Wenn das nichts ist? Jetzt kommt Guerrero. Dolls letzter Trumpf, um doch noch das Ruder rum zu reißen. Und diesmal macht Guerrero es besser, als noch in Dortmund, wo er ja nach 2 Sekunden das Tor nicht gemacht hatte. 7 Minuten auf dem Feld, da setzt er sich auf der rechten Seite ganz stark durch, flankt auf den kurzen Pfosten und Sanogo braucht seinen Schädel nur noch hin zu halten. 2:2! Irgendwie will ich das nicht wahr haben. Checke kurz Linienrichter und Schiedsrichter, die aber das Tor geben. Diesmal hatte mich meine Fähigkeit, Spiele zu lesen, im Stich gelassen. Für mich war das Tor zu diesem Zeitpunkt wirklich überraschend! Denn es fehlten uns ja die klaren Torchancen, aber heute machten wir aus den wenigen, die sich uns boten, gleich Tore. Das passt doch alles gar nicht zusammen. Darum liebe ich diesen Sport so! Du weißt nie, was passiert. Ähnliche Szenen wie nach dem 1:1. Umarmungen mit wildfremden und diesmal noch ein kleiner Zusatz: Eine erneute Bierdusche von dem Typ hinter uns. So, das war jetzt, dachte ich mir. Aber zum Glück siegte auch diesmal wieder die Vernunft in Tim.
Was dann folgte hat eigentlich eher was mit Glück zu tun. Ich bin mir nicht sicher, ob der Schuss von Amanatidis erst nach, oder schon vor dem Ausgleich von Kirsche an die Latte gelenkt wird. Genauso geht es mir mit der Doppelchance von Thurk, die Kirsche glänzend pariert. Aber ich weiß, dass Takahara uns noch richtig hätte ficken können, wenn er den Ball in der 91 Minute richtig trifft. Zum Glück, tut er dies nicht.

2:2, wieder nicht gewonnen. Wieder nicht verloren. Weder Fisch, noch Fleisch, wie ich ja immer zu sagen pflege. Die Mannschaft bekommt, als sie in die Kurve kommt, Applaus. Auch von mir. Die zweite Halbzeit war echt o.k. Es war zwar immer noch nicht der ganz große Fussball, den wir uns wünschen, aber es war ein Lichtblick. Über Kampf zum Spiel finden, heißt die Devise in den nächsten Wochen. Und das können Sie. Das hat die zweite Halbzeit gezeigt.

Und jetzt noch eine Anmerkung zum Frankfurter Anhang! So was habe ich noch nicht erlebt. Ein solcher Heimsupport wäre so manchem Auswärtsmob zu wünschen. Da waren gute 10000 Geisteskranke (im positivem Sinne) die mit einer solchen Leidenschaft ihre Mannschaft immer wieder nach vorne getrieben haben. Da können sich die so oft zitierten „Hexenkessel“ Dortmund, Schalke, Kaiserslautern mal eine Scheibe von Abschneiden. Und auch für uns sollte das in Sachen support ein Vorbild sein. 5 Stunden uns im Bus mit schwachsinnigen Liedern auf den Geist gehen ist eine Sache. Sein Team 90 Minuten im Stadion unterstützen die andere.

Zurück am Bus wissen wir immer noch nicht, ob wir uns nun freuen oder ärgern sollen. Die Ungewissheit bleibt. Nächstes spiel gegen Schalke zuhause ist noch nicht gewonnen, dessen sind wir uns bewusst. Abfahrt war klar und deutlich mehrfach von der Reiseleitung um 17:45h angesetzt. Wegen einiger Arschgeigen konnten wir dann leider erst um 18:00 h abfahren. Und nun begann der Teil, vor dem ich mich so gefürchtet hatte. Spiel nicht gewonnen, und 500 Km vor uns. Eigentlich war es aber o.k. Groni gewann astronomische Summen beim Poker, Malte und ich hatten den letzten Tropfen Wodka getrunken und Wilhelm erholte sich von seiner Messewoche.

Dann leider doch noch ein unrühmlicher Auftritt unseres Busfahrers. Wie einer 4.Klasse aus Klassenfahrt hatte er uns bei gutem Benehmen eine Pause bei Mc Do / Burger King in Aussicht gestellt. Nur leider wurde diese Pause bei dem wohl kleinsten Burger King auf Gottes Grüner Fastfooderde gemacht. Man stelle sich folgende Situation vor: 20:15 auf einer Raststätte nähe Kassel. Alles ist ruhig. Die Mitarbeiter vom Burger König freuen sich schon auf den Feierabend. Da halten draußen 2 Busse mit Fussifans an und stürmen das lokal. Es stehen 2 Kassen zur Verfügung, von denen aber nur eine geöffnet ist. Großzügig wie der nette Onkel Busfahrer ist, dürfen wir 30 Minuten Pause machen. Bei der Situation im Burger King braucht man aber schon 25 Minuten, bis man überhaupt seine Bestellung loswird. „Und kommt nicht auf die Idee, im Bus zu essen“ gibt uns der Fahrer noch mit auf den Weg. Wie soll den das gehen? Ich entschließe mich, den Wahnsinn nicht mit zu machen und bestelle mir im Restaurant neben an eine Mantaplatte (Currywurst Pommes) für den sportlichen Preis von EUR 6,95. Dafür bekomme ich bei meinem Stammimbiss im Herold Center 2 x C-Wurst Pommes Schranke! Egal, der Hunger lässt mich den Wucher vergessen. Die Wurst ist keine Currywurst, sondern nur eine Bratwurst (wie unser Busfahrer übrigens auch eine ist) mit Curryketchup. Dazu Pommes, die gerade so sind, dass ich sie nicht wieder zurück gehen lasse. Bei der Bundeswehr haben wir gelernt: Essen soll nicht schmecken, sonder die Kampfkraft erhalten. Da ich aber heute keine großen Schlachten mehr zu schlagen habe entscheide ich mich noch zu einem 0,75 L Wasser für den Preis von EUR 2,29 (!!!) Danke, ihr nehmt es hier ja von den Lebenden!

Als wir wieder n den Bus steigen, sind es noch gute 300 Kilometer. Oh Mann, das wird hart. Aber ich finde, dass wir die Zeit mit Gesprächen auf höchstem intellektuellem Niveau gut rumgebracht haben.

Um 0:00h ist der Bus wieder am ZOB und diese wirklich sehr geile Tour neigt sich dem Ende zu. Eine Vorfall aus der U-Bahn möchte ich aber noch kurz erzählen: Am Hbf steigt mit uns noch eine offensichtlich etwas verwirrt Frau mit in die U-Bahn. Aber sie ist nicht alleine: Ein Fahrrad, 2-3 große, um nicht zu sagen riesige Reisetaschen sowie 3 (!!!) Hunde bringt sie mit. Nachdem die alles in die U-Bahn gewuchtet hat, kann die Bahn endlich mit 2 Minuten Verspätung abfahren. An ihr verwirrtes Gesabbel kann ich mich nicht wirklich erinnern, nur dass sie feststellt, dass dies ein Kurzzug ist, weil er nur bis Garstedt, anstatt Norderstedt Mitte fährt....... ohne Kommentar. Und nun, Bühne frei für die verwirrte Frau. An der nächsten Haltestelle scheint es einem ihrer Hunde bei Frauchen nicht mehr zu gefallen, und er entschließt sich, auszusteigen. Sie hat soviel mit Ihren Taschen, dem Fahrrad und den anderen Hunden zu tun, dass sie nicht mehr reagieren kann. Und so sind, als die Türen zu gehen, Hund und Frauchen plötzlich getrennt. Was nun? So blöd ist sie ja nicht. Als greift sie kurzerhand zur Notbremse, bekommt diese aber nicht gezogen und drückt danach nur den Notfallknopf, bei dem man mit dem Fahrer verbunden wird. „Mein Hund ist gerade ausgestiegen! Ich muss nächste Station aussteigen und zurück fahren. Das kann etwas dauern!“ schreit sie dem Fahrer zu. Entertainment pur! Nächste Station muss sie sich mit dem aussteigen beeilen, weil die Bahn in die entgegengesetzte Richtung schon einfährt. Was aus ihr und dem Hund geworden ist, werden wir wohl nie erfahren. Aber trotzdem Danke für die Show, Madame!

Um 0:50h falle ich in mein Bett. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Schalke in zwei Wochen schlagen. Und ich bin zuversichtlich, dass Van der Vaart wieder auflaufen wird. Dann wird alles besser. Bestimmt!

Abschließend noch ein Dank an die Reisegruppe! Jungs, das war ganz großer Sport! Ich weiß nicht, wie es euch gefallen hat, aber mir hat es unheimlich Spaß gemacht und ich wünsche mir, dass wir noch das eine oder andere Spiel so zusammen besuchen. Vielen Dank! Wer nicht dabei war, hat was verpasst!