Hamburger Sport Verein e.V. gegen FC Bayern München AG (Anteile: 90 % Bayern München e.V., 10% adidas) – eigentlich ein Klassiker, worauf man sich die ganze Saison freut. Aber ich habe heute wenig Lust ins Stadion zu gehen. Zu Julie sage ich sogar, ich hätte heute Angst, ins Stadion zu gehen. Angst davor, wieder enttäuscht zu werden. Wie schon gegen Gladbach, oder Dienstag in London. Die Mannschaft führt 1:0 und gewinnt am Ende dann doch nicht. Ich möchte heute, 1:0 führen und gewinnen. Oder 0:3 sang und klanglos verlieren. Aber ich will nicht erste wieder Hoffnung schöpfen und dann doch wieder enttäuscht nach Hause gehen. Mal eine klare Ansage, das wäre schön. Wie hat Doll unter der Woche gesagt:“ An uns glaubt ja eh keiner mehr. “Klingt so jemand, der selber noch an sich glaubt? Trotz hilft hier keinem. Ich habe das Gefühl, dass so richtig noch gar keiner Begriffen hat, was hier momentan abläuft. Die Mannschaft nicht, Teile der Fans nicht, und der Vorstand erstrecht nicht. Ansonsten kann ich mir Hoffmanns Zeilen aus der HSV Live nicht erklären. Zitat:“ Ganz besonders freut es uns, dass wir zum wiederholten Male in dieser Saison vor ausverkauftem Haus spielen. In Anbetracht des enttäuschenden Saisonstarts ist diese Tatsache umso erwähnenswerter.“ Zitat Ende. Enttäuschender Saisonstart? Weiss der Mann eigentlich, dass es nur noch 4 Spiele bis zur Winterpause sind? Da kann man doch nicht mehr von enttäuschendem Start sprechen! Aber wie gesagt: So richtig hat das noch gar keiner im Verein begriffen, dass es hier um den verbleib in Liga 1 geht.
Um 13:30h treffe ich mich mit Tim in Eidelstedt. Heute ein neues Ritual, von dem ich eigentlich hoffe, dass es keinen Erfolg hat: Ein alkoholfreies Fussballspiel (sieht man mal vom Restalkohol des Pokerfreitagabends ab). Ich gehe heute mal über den Erdkampsweg zur U-Bahn Fuhlsbüttel. Der Grund ist mein leerer Magen und so steuere ich dann fix noch den Hansebäcker zwecks des Erwerbes eines Käsebrötchens an. Hab ich schon mal erwähnt, dass es mich unheimlich interessiert, warum bestimmte Menschen wie handeln und warum? Irgendwie ist das doch sehr beeindruckend: Jeder Mensch, dem wir tag täglich über den Weg laufen, hat eine eigene Geschichte, und obwohl es nicht viele Menschen gibt, ich wirklich gut leiden kann, interessieren mich Schicksale und Handlungsweisen von anderen Menschen. Als ich den Hansebäcker betrete, weiss ich noch nicht, dass sich mein Studium des menschlichen Handels gleich fortsetzen wird. EUR 0,70 möchte die junge Verkäuferin von mir für das Käsebrötchen haben. Nachdem ich von ihr meine EUR 0,30 Wechselgeld bekommen habe, wünscht Sie mir „einen herrlichen Tag“ ... Warum wünscht sie mir einen „herrlichen Tag“? Es ist ein Samstag Mittag im Herbst, es nieselt, wir stehen auf Tabellenplatz 17 und die Bayern kommen zu besuch. Was soll denn da noch herrlich werden? Kann Sie mir keinen „guten Tag“ wünschen? Oder ein „schönes Wochenende“? Oder beim Blick auf meine HSV Jacke zumindest einen „erfolgreichen Tag“? Ausserdem glaube ich, dass sie mir den nicht wirklich wünscht, denn als ich „Tschüss“ sage, antwortet sie mir schon nicht mehr. Ich glaube, der Hansebäcker hat seine Angestellten auf übertriebene Freundlichkeit gedrillt. Beim Hansebäcker im Herold Center arbeitet auch so ein Typ. Zugegeben, der Typ ist vom anderen Ufer, aber wenn ich von dem bedient werde, läuft mir die schleimige Freundlichkeit aus den Ohren wieder raus. Der eine oder andere wird sich jetzt Fragen, ob der Druve noch ganz dicht ist, sich über solche Scheisse Gedanken zu machen. Aber wenn man sein eigenes Handeln mal mit dem anderer Menschen vergleicht, hilft einem das, relativ „normal“ zu bleiben. Aber was ist schon normal? Vielleicht bin ich es ja auch nicht, sondern die Typen, die ich dann in der Bahn treffe. 3 Erwachsene und ein kleiner Junge. Der kleine hat ein Bayern Cap auf und die anderen 3 die gleichen, qualitativ schlechten HSV Caps. Sie tauschen sich lautstark über das heutige spiel aus und ich stelle mal wieder fest, dass ich einen ganz anderen Bezug zum Fussball habe als 70 % der anderen Leute im Stadion. Ich fahre heute mit dem Gefühl der Angst ins Stadion. Und für die 4 ist es nur eine Samstag nachmittag Veranstaltung, beliebig austauschbar mit Kino oder Tretboot fahren. Zwei von denen sprechen mit einem unerträglichen Berliner Dialekt. Den hasse ich ja wie die Pest! Berliner Dialekt gepaart mit einer Menge Fussball Halbwissen. Mein Lieblingssatz kommt allerdings von der kleinen Bayernzecke: „Der einzige, der bei Hamburg was taugt ist Luboja. Das ist da mein Lieblingsspieler!“ Ich habe kurz überlegt, ob ich den Wagon wechseln soll, aber durch die Scheibe sehe ich nur 15. jährige mit Holsten Dosen in der Hand. Das wird mit Sicherheit auch nicht besser sein. Kellinghusenstrasse sehe ich dann zu, dass ich möglichst in einen Wagon komme, wo keine Fussballfans drin sind. Sternschanze treffe ich dann schon Tim. Offensichtlich sind wir die ganze Zeit in der gleichen Bahn gewesen. Er hat heute bis 11:50h gepennt und hat nichts mehr für sein Studium getan. Dann hättest du ja auch mit uns am Vorabend saufen können, denke ich mit kurz, komme aber zu der Erkenntnis, dass sein Taxiservice doch gar nicht so schlecht war. Daher ist das schon in Ordnung. Uns fällt ein Typ auf, der mit riesigen Kopfhörern auf den Ohren auf dem Bahnsteig tanzt und singt. Tim stellt gleich fest, dass der noch voll drauf ist. Tim muss ja wissen, wovon er spricht. Als er in der Bahn immer noch singt, sind wir uns einig: Der glaubt, er ist immer noch in der Disco. Eidelstedt gibt es nur eine kurze Wurst für Tim. Ich muss heute früh ins Stadion, sonst ist die Bahntour nach Bochum ausverkauft. Nach dem Heimspiel ist halt vor dem Auswärtsspiel. Also treffen wir uns nach Erwerb der Tickets mit Groni vorm Supporters Club Stand. Er sieht schon wieder ganz gut aus. Das war einige Stunden zuvor nicht der Fall, als er Tim gebeten hatte, doch mal rechts ran zu fahren, um sich den Jägermeister noch mal durch den Kopf gehen zu lassen. Dies aber in einer sehr abgeklärten und routinierten Art und Weise möchte ich dazu sagen. Da heute ein alkoholfreies Spiel für uns auf dem Plan steht, dröhnen wir halt so rum und kommen bald auf die Idee, doch mal den Mannschaften beim Warm machen zuzugucken. Da dies aber noch auf sich warten lässt (es ist erst 14:15h) stehen wir so am Geländer des B-Ranges und beobachten die Stehplätze. Jedes Mal, wenn ich dort hinunter gucke, weiss ich, warum ich mir einen Sitzplatz gekauft habe. Und auch heute fallen mir spontan ca. 10 Minderjährige auf, die sich jetzt bereits die Seelen aus dem Halse schreien. Da stellt sich mir die Frage, ob die total voll sind oder einfach nur bescheuert. Nachher, wenn es drauf ankommt, bekommen solche Leute doch wieder das Maul nicht auf. Ein Blick nach rechts verrät mir, dass Groni und Tim auch nur Unverständnis dafür aufbringen können. Die Frage, ob wir früher auch so waren, wird zwar von Tim mit Ja beantwortet, aber Groni ist sich sicher, dass wir nie so peinlich waren und über eine Stunde vorm Spiel alleine irgendwelche Fussballgesänge mit 10 Leuten gesungen haben. In Anbetracht dessen, dass ich früher auch mit Schalrock, Mütze und Kutte ins Stadion gegangen bin, bin ich mir nicht sicher, aber ich glaube, Groni hat recht. Egal, weiter beobachten. Da fällt mir ein Typ auf, der eine original HSV Trikot anhat, aber hinten einen unechten Trochowski Schriftzug. Und das sieht so schlecht aus, dass es ebenfalls nur noch peinlich ist. Warum geben Menschen 70 Euro für ein Originaltrikot aus und verschandeln es mit einem absolut hässlichen Aufdruck? Vielleicht ist es arrogant von mir, dass ich mir anmasse, mir überhaupt ein Urteil über solche Menschen zu bilden, aber sowas will wirklich nicht in meinen Kopf. Die Mannschaften betreten das Feld und mein Herz hüpft fast vor Freude, als ich sehe, dass Sanogo lange Hose und lange Jacke trägt. Geil, er ist nur Ersatz! Normalerweise ist es ein sicheres Zeichen, dass die erste elf mit kurzen Hosen das Feld betritt. Bald fällt mir aber auf, dass er sich zusammen mit der ersten elf warm macht. Scheisse! Dieses Weichei macht sich natürlich in lang warm. Was will man von so einem denn noch erwarten? Guerrero macht sich übrigens auch in lang warm, obwohl er in der Startelf steht. In ihn setze ich heute viele Hoffnungen, dass er Uli H. zeigen möchte, dass es falsch war, ihn nach Hamburg zu verscherbeln. Wir stehen so da und ich klöne mit Lars, der mittlerweile dazu gekommen ist, noch mal über den London Trip. War wirklich ne coole Tour, wie ich fand. Allerdings war ich ja auch nicht in Kopenhagen dabei... Es werden heute tatsächlich wieder 57000 ins Stadion pilgern. Das ist wirklich verwunderlich, angesichts der schlechten Vorstellungen der letzten Wochen. Oder sollte ich lieber Monate sagen? Für mich ist das kein Thema. Wenn die Mannschaft gut spielt, kann ja jeder hin gehen. Aber wenn sie schlecht spielt, dann zeigt sich, wer wirklich mit Herzblut dabei ist. Es gibt immer Gründe, warum man mal nicht ins Stadion gehen kann. Aber wenn Leute in einer schlechten Phase sagen, sie hätten keinen Bock...die machen es sich etwas einfach. Wir sitzen heute neben Sörens Freundin und Torstens Mutter. Das Spiel beginnt nach einer ganz schlechten Promotion Aktion von Emirates, die ich hier nicht weiter kommentieren möchte. Die ersten Minuten erscheinen mir sehr zurückhaltend. Bayern kennt wohl das Motto, dass ein angeschlagener Boxer ein gefährlicher Boxer ist. Es gleicht in den ersten Minuten Standfussball. Erste Halbchance gaben wir, nach einer Flanke von Atouba, die durch den Bayern Strafraum hoppelt. Wir stehen defensiv, wie auch schon in London, sehr gut und die Bayern können sich keinerlei Torchancen erarbeiten. Nach 18 Minuten dann der erste Kracher. Demichelis pennt und steht bei Atoubas langem Ball völlig verkehrt, Sanogo sprintet an ihm vorbei und Demichelis kann ihn nur noch umhauen. Elfmeter! Oh mein Gott!!! Das sollte Sanogo doch Auftrieb geben: Einmal nachgesetzt und schon kommt etwas dabei heraus. Für mich ist sofort klar, dass Raffi den Strafstoss schiessen wird. Das Blut gefriert mir in den Adern vor Angst. Das ist jetzt so wichtig und wenn er den verschiesst, auf wen kann ich mich dann noch verlassen? Wenn er den verschiesst, wird auch der einzige, der in den letzten Wochen gekämpft und gut gespielt hat, in ein tiefes Loch fallen. Eine menschliche Tragödie! Er legt sich den Ball zurecht und geht einige Schritte zurück. Schiri Kinhöfer hat noch etwas an der Position des Balls auszusetzen und Raffi muss sich den Ball noch mal neu hinlegen. Ich wittere schon wieder Betrug, weil man mit einer solchen Aktion den Schützen zusätzlich verunsichert. Jetzt ertönt der Pfiff, Raffi läuft an und der Ball trudelt in die untere rechte Ecke. Später im Fernsehen sehe ich sogar, dass er vom Innenpfosten rein springt. Kahn ist unterdessen in die komplett falsche Ecke unterwegs. 1:0! Grenzeloser Jubel! Wie hatte Groni noch am Freitag Abend zu mir gesagt? Ihm sei aufgefallen, der ein Torjubel jetzt viel intensiver sei, als letzte Saison. Liegt wohl daran, dass Tore gegen den Abstieg erstens nicht so häufig fallen und zweitens eine wesentlich befreiendere Wirkung auf uns als Fans haben. Dieser Treffer weckt das Stadion auf und gibt der Mannschaft Selbstvertrauen. Ich habe die nächsten Minuten keine Angst, dass wir einen Gegentreffer bekommen könnten. Dann wird es hektisch: van Bommel im Laufduell mit seinem Landsmann van der Vaart. Van Bommel holt im Laufen aus und schlägt Raffi mit der Hand ins Gesicht. Der geht gleich zu Boden während Bimmel sich in Unschuld übt. Rudelbildung. Sagnol beschwert sich beim Linienrichter über eine angebliche Schwalbe van der Vaarts und sieht für den Blödsinn völlig zurecht den gelben Karton. Aber was passiert dann? Freistoss für den HSV, aber der Sünder van Bommel bleibt verschönt. Geiles Ding, Herr Kinhöfer! Wenn Sie schon Freistoss pfeiffen, dann doch auch bitte Rot für Holländer. Da waren jetzt schon so viele Entscheidungen in dieser Saison zu ungunsten von uns, dass kann sich gar nicht mehr ausgleichen! Trochwoski hat noch die Möglichkeit, aus 18 Metern mal das Ding aufs Gehäuse zu flacken, aber er vertendelt den Ball. Vorhin beim Warmmachen hat er einen nach dem anderen in den Winkel gehauen. Warum denn jetzt nicht? Van Buyten hat übrigens keinen schönen Nachmittag: Er braucht nur in die Nähe des Balls kommen, da brandet ein ohrenbetäubendes Pfeiffkonzert auf. So ist es richtig! Allerdings glaube ich nicht, dass ihn das wirklich interessiert hat. Würde mich beim dem Gehalt auch nicht kratzen. Er hat ja alles richtig gemacht...aus seiner Sicht. So geht es in die Halbzeit und eigentlich ist es doch ganz gut gelaufen. Ausser einer Chance hatten die Bayern keine Möglichkeit und wenn wir es schaffen, weiter so defensiv zu stehen, sollte ein Punkt vielleicht drin sein. Aber da hören meine Ohren schon wieder diese Gespräche, die mich vermuten lassen, dass der Ernst der Lage nicht erkannt wurde. Links neben mir höre ich, wie einer zu seinem Sitznachbarn sagt, „dass die Bayern schon immer Probleme in Hamburg hatten.“ Und „dass der HSV noch längst nicht tot ist“. Oh Mann, könnt ihr solche Dinge nicht nach dem Spiel in eurer Stammkneipe besprechen? Die Bayern haben so viele Spieler, die mit einer Einzelaktion den Ausgleich oder sogar die Führung erzielen können, dass feiern und kluge Sprüche wirklich fehl am Platz sind. In der Halbzeit entrollt Emirates einen riesige Werbefahne auf dem Platz und eine vermeintliche Stewardess lobt die Airline in den höchsten Tönen. Gronis Meinung, dass das wohl eher die Pressesprecherin und keine Saftschubse ist, schliesse ich mich gerne an. Was wohl nach einem Spiel aus der grossen Werbefahne von Emirates wird, möchte ich von Tim wissen. Als er sagt, dass da Bettlaken für somalische Kinder draus gemacht werden, kann ich seinen Worten wenig glauben schenken. Magath sieht Handlungsbedarf und nimmt Ottl sowie Demichelis vom Feld. Dafür kommen Sebastian „Psycho“ Deisler und Hackfressen Lucio. Die zweite Halbzeit beginnt mit einem 35 Meter Hammer von Trochwoski, der Kahn allerdings nur ein müdes Lächeln kostet. Kahn ist schon kein schlechter: Da hat er einfach mal auf eine Mauer verzichtet um freie Sicht zu haben. Hat gut funktioniert. Was nicht mehr funktioniert sind die Herren in den weissen Trikots. Sie lassen sich immer weiter zurück drängen und dei Bayern werden von Minute zu Minute stärker. Die Angst, etwas verkehrt zu machen, kann man bis unter das Dach spüren und eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, wann hier der Ausgleich fällt. Und so kommt es, wie es kommen musste: Deisler umkurvt 2 HSV Verteidiger, die viel zu zaghaft angreifen, passt nach innen wo Reinhardt das Abseits aufhebt und Makaay schiebt den Ball ein. 1:1. Oh Mann. Passiert jetzt das, was ich gerade vermeiden wollte? Erst Hoffnung, dann Enttäuschung? Es scheint fast so. Die Bayern werden immer Stärker und wir reagieren nur noch. Es ist auch kein Aufbäumen zu erkennen. Van der Vaart abgetaucht, Trochowski unsichtbar und Sanogo verliert jedes Kopfballduell gegen Geldsack van Buyten. Einen Makaay Schuss aus ca. 28. Metern pariert Wächter super. Gesehen hat der den Ball aber wohl nicht, sonst hätte er ihn mit den Fäusten und nicht mit seinem Gesicht geklärt. Die anschliessende Ecke mit Kopfball von van Buyten hällt er aber glänzend. Genauso wie den Nachschuss von van Bommel, der ja eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfte. Jetzt kommt es knüppeldicke und die Bayern gebe uns eine Lehrstunde. Oder bettelt der HSV einfach nur um den Ausgleich? In der 78. Minute ist es dann „endlich“ so weit: Psycho setzt sich rechts durch (wo war Atouba eigentlich???) passt nach innen und Pizzaro schiesst gegen die Laufrichtung von Wächter ein. 1:2. Pizarros 10tes Tor gegen uns. Ist das Zufall? Ich sinke auf meinem Stuhl zusammen. Es ist zwar nur ein Tor zur Punkteteilung aber da glaubt hier keiner mehr dran. Die Mannschaft wohl auch nicht. Sie stehen alle da, schauen auf den Boden und reden nicht miteinander. Kein ist da, der sie antreibt, keiner, der jetzt die Richtung vorgibt. In der 84 Minute kommt Fillinger für van der Vaart, was mit Pfiffen bedacht wird. Ich kann auch nicht verstehen, wie Doll den einzigen mit Siegeswillen, den einzigen, der vielleicht noch mit einem Freistoss den Ausgleich erzielen könnte, runter nehmen kann. Im Gegenzug nimmt er noch Guerrero, der deutlich angagierter war als Sanogo runter und bringt El Blindo Nummer 2: Luboja. Erst 3 Minuten vor Schluss kommt Berisha für Wicky. Sanogo spielt durch. Vielleicht sollte man doch mal über einen Trainerwechsel nachdenken. Egal, wie sympathisch Thomas Doll ist. Egal, ob er HSVer ist. Er scheint einfach der Situation nicht mehr gewachsen zu sein. Und er ist wohl zu gutmütig. Er hat seine Spieler viel zu lange geschützt, anstatt ihnen mal in den Arsch zu treten. Das Problem ist nur: Was kommt nach Doll? Ich sehe keinen Trainer zur Zeit, der das Problem langfristig lösen kann. Ach ja, Fillinger haut den Ball aus 8 Metern in der 88 Minute noch am Tor vorbei. Sollte ein Bundesligaspieler nicht in der Lage sein, zumindest in Richtung Tor zu schiessen? Ist ja erst Fillingers dritter Fehlschuss aus solch einer Position in den letzten Wochen. Danach ist Schluss und die Bayern „Fans“ (für mich gibt es ja nicht wirkliche Fans von Bayern, sonder nur Mitläufer) skandieren: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei!“
Ich sehe schnell zu, dass ich nach Hause komme. Julie hat gekocht. Tim und ich analysieren zwar noch die erneute Niederlage, aber so richtig kommt man halt nicht mehr weiter. Man weiss ungefähr, woran es liegt, aber einen Lösungsansatz oder Patentrezept gibt es nicht. Auf jeden Fall sind es nur noch 3 Spiele bis zum Winter. Bochum auswärts, Nürnberg zuhause und Aachen auswärts und wenn wir nicht aussichtslos auf dem letzten Tabellenplatz liegen wollen, wenn wir im Januar 2007 nach Bielefeld müssen, sollten 7 Punkte mindestens dabei raus springen. Aber glaubt da wirklich jemand dran? Die Hoffnung stirbt zuletzt...