Dortmund auswärts

Es sollte die Woche der Wahrheit werden:
1. Stuttgarter Kickers im Pokal
2. Arsenal London in der CL
3. Dortmund auswärts.
Nachdem man sich etwas unglücklich (schonend ausgedrückt) aus dem Pokalwettbewerb in Runde 1 verabschiedet hatte und in der CL verpfiffen wurde (ja, ich sehe dass immer noch so, dass es kein Foul und erst recht keine rote Karte gegen Kirschstein war) hatte der HSV nun die sehr schwere Aufgabe, die Woche, geprägt von Turbolenzen (Wächter, Atouba, Lauth) in Dortmund doch noch versöhnlich zu gestallten. Groni und ich wollten dieses Auswärtsspiel mal ganz anders angehen und so trafen wir uns mit unseren Frauen am Samstag morgen zum gemütlichen Frühstück. Hier wurden einmal mehr die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Groni und mir in dieser Sasion (Beispiel Cottbus :-) ) offensichtlich. Denn obwohl Julie und ich gesagt hatten, wir bringen Wurst und Brötchen mit war der Frühstückstisch mit allem gedeckt, was der Mensch zum frühstücken braucht! Das ist kein Vorwurf :-)
Kurz vor Abfahrt noch schnell relevante Informationen aus dem Internet besorgt (Wetter, Baustellen, und nochmal der Spielbericht HSV – Arsenal) und so bestieg man dann um ca. 10:30h Gronis Golf mit Bier für uns und Red Bull für die Frauen.
Tja Jungs: Auswärtsspiele mit Frauen ist anders. Keine Frage. Aber ich möchte hier eindeutig sagen, dass es nicht schlechter ist....halt nur anders. Nicht so viel Alkohol, dafür mehr Balladen auf CD und Spiele alla „Wer bin ich?“ Aber das ist absolut o.k., glaubt es mir.
Irgendwie hatten wir uns leider etwas mit der Zeit verkalkuliert und so kamen wir um 15:00h auf dem Westfalen Damm an, der direkt zum Signal Iduna Park (ein übrigens noch bescheuerter Name als AOL Arena) führt. Wer schon mal nach Dortmund mit dem Auto angereist ist weiss, dass diese Strasse an Spieltagen immer propenvoll ist. Und so blieb uns eigentlich nur eine Alternative, wenn wir den Anpfiff noch sehen wollen: Auto in einer Seitenstrasse abstellen, und ein paar Stationen mit der Dortmunder Strassenbahn (oder ist es doch eine U-Bahn???) fahren.
Gesagt, getan. Und als Groni und ich uns langsam zu Fuss auf den Signal Iduna Park zu bewegen, stellten wir fest, dass wir wohl noch nie eine solche Punktlandung hingelegt haben. Sehen wir mal von dem Spiel vor Jahren in Köln ab, wo wir 10 Minuten zu spät gekommen sind.
Das ganze hatte natürlich auch etwas positives: Wenn man auf den letzten Drücker kommt, dann unterliegt man nicht mehr der Versuchung, sich noch ein viel zu teures Bier im Stadion zu kaufen. Und so nahmen wir unsere Plätze in Block 59 ein. Ein kurzer Blick nach vorne und sofort wurde mir klar: Ja, dieser Block war nicht geplant, als man damals das Dach gebaut hatte! Im Grunde genommen war die Aussicht nur als Frechheit zu beschreiben. Sicher, der eine oder andere sagt: “Du gehst doch zum Fussball, um das Spiel zu sehen!“ Aber das stimmt nur bedingt. Der Zuschauer erwirbt nicht nur das Recht, ein Bundesliga Spiel zu sehen, sondern er kauft mit der Eintrittskarte auch ein Stück Atmosphäre. Und die hat die grösste Stehtribüne Europas mit Sicherheit. Von meinem Platz konnte ich aber auf Grund des niedrigen Daches nur etwa 1/8 der Tribüne wirklich sehen. Wenn ich schon zu einem Spiel gehen, will ich auch das ganze Stadion sehen und nicht nur ein Stück. Naja, vielleicht hat aber auch dies wieder ein Gutes: Julie, die sich nicht unbedingt wohl bei dem Gedanken fühlt, dass da so viele Menschen auf einem Haufen sind (60.000 auf Schalke letzt Saison haben sie schon nervös gemacht, wie sollte das jetzt bei 80.000 in Dortmund werden???)konnte so also gar nicht die Ausmasse dieser gewaltigen Tribüne erkennen. Und ich bilde mir ein, dass sie das etwas beruhigt hat. Links und rechts von uns sympathisierten die meisten Menschen mit den Blauen auf dem Feld. Ich denke, es werden wohl so zwischen 7 und 8000 HSV’er gewesen sein.
Irgendwie war ich nervöser als sonst. Vielleicht wusste ich, was noch kommen sollte. Aber immerhin musste bald mal eine Richtung eingeschlagen werden. Entweder mit einem Sieg nach oben....oder aber mit einer Niederlage nach unten. Und irgendwie war mir so, als wenn es heute nicht nach oben gehen würde. Ständig unentschieden spielen ist weder Fisch noch Fleisch. Man will doch endlich wissen, wo man steht. Und dazu braucht es ein eindeutiges Ergebnis. So sehe ich das.
Eigentlich fängt das Spiel gut an. Luboja gefällt mir immer besser, auch, wenn es erst sein drittes Spiel für uns ist. Aber dass, was ich im Fernsehen aus Stuttgart gesehen habe und am Mittwoch live im Stadion sah vielversprechend aus. Aber ich muss hier dennoch warnen: So wie Luboja zur Zeit spielt (antrittsschnell, schiesst sofort, vor Selbstvertrauen strotzend) hat Benny Lauth auch am Anfang gespielt. Und wir wissen ja, was passiert ist.... am Samstag war er nicht mal im Kader sondern war wohl „im Stadtpark zum Minigolf verabredet“ (so hat es Groni morgens noch formuliert).
Egal, Luboja macht Spass. Aber die Feinabstimmung mit Sanogo stimmt noch nicht. Die beiden kennen die Laufwege des anderen noch nicht. Ganz ehrlich: Ich bezweifel, dass die beiden überhaupt miteinander sprechen können.
Und so kommt es in der ersten Hälfte eigentlich nur zu einem Luboja Schuss, Trochowski Freistoss und einem Sanogo Abseitstreffer, der wohl auch einer war. Dortmund findet nicht statt. Weder auf dem Rasen, noch auf den Rängen. Was ist bloss aus diesem Verein geworden? Groni und ich sind uns in der Halbzeit sicher: Von Dortmund geht keine Gefahr aus.....zumindestens noch nicht.
Zur zweiten Hälfte wird Smolarek eingewechselt. Das ist ja einer meiner persönlichen Alpträume. Es gibt ein paar Spieler, vor denen habe ich immer Angst. Dazu gehörten Elber und Marcelinho, Klose gehört dazu und Smolarek hat sich mit seinem Tor in der vergangen Saison auch in diesen Kreis katapulliert. Ich weiss nicht, was das ist, aber ich habe einfach Angst, dass die treffen, wenn sie gegen uns auf dem Feld stehen. Und so ist es dann meistens auch.
Mit Smolarek kommt frischer Wind in die Angriffsbemühungen vom BvB. Und es kommt, wie es kommen muss: Smolarek trifft! Zum Glück Abseits! Meine Fresse! Ich scheine mit meiner Angst vor diesen Spielern solche Situationen gerade zu heraufzubeschwören! Dortmund wird immer Stärker. Mitte der zweiten Halbzeit haben die Hausherren 4 oder 5 Ecken am Stück. Wir bekommen den scheiss Ball einfach nicht mehr raus. 2 x Latte sprechen eine deutliche Sprache!
Dann wird Guerrero eingewechselt. Ich habe vor der Saison gesagt, dass man dem Jungen Zeit geben muss. Leider muss ich feststellen, dass ich selber verdammt ungeduldig mit ihm bin und ihn eigentlich jetzt schon fast als Fehleinkauf abstempel. Allerdings bin ich auch etwas vorbelastet, weil ich ihn mal auf meiner eigenen meist-gehassten-Spieler-Ranglisten den ersten Preis (noch vor Koller) verliehen habe, als er noch bei Bayern mit einem Kunstwerk auf dem Kopf, was wohl eine Frisur sein sollte, aufgelaufen ist und ein Jokertor nach dem anderen erzielt hat. Bei unserem Heimsieg letzte Saison gegen München habe ich ihm dies auch vom B-Rang zugerufen. Wer dabei war, wird sich erinneren....
Doch was sehen meine Augen? Guerrero bekommt nach ca. 2 Sekunden auf dem Feld den Ball, lässt mehrere Dortmunder aussteigen und schiebt den Ball an Weidenfeller vorbei. Leider auch am Tor......... Mann o mann. Den musst du machen, wenn du bei mir noch eine Chance haben willst!!! Aber er macht ihn nicht und somit fällt der arme Junge in meiner Gunst weiter ins Bodenlose!!! Später zuhause bei Groni muss ich erkennen, dass der doch gar nicht sooooo einfach war, wie es sich aus Block 59 darstellte. Die Fernsehbilder sagen mir allerdings, dass Ailton den wohl mit einem für ihn typischen aussenrist Schuss verwandelt hätte.
Egal, weiter gehts. Das Spiel steht jetzt wieder auf der Kippe und es erscheint mir so, dass die Mannschaft, die jetzt das erste Tor macht, auch als Gewinner vom Feld geht.
Danach kann ich mich aber nur noch an einen Aufreger erinnern. Kompany in einem für mich korrekten Zweikampf mit einem Dortmunder. Kompany klärt zur Ecke! So weit, so gut. Aber plötzlich meint Lutz Wagner, Freistoss pfeifen zu müssen. Und dass in einer sehr aussichtsreichen Lage. Warum und wieso wir wohl Wagners Geheimnis bleiben. Ich konnte keine freistosswürdigen Situation erkennen. Ich habe mich sehr über diese Situation aufgeregt. Es war der einzige Freistoss, während des gesamten Spiels, den ich mit Pöpeleien versehen habe. Wahrscheinlich habe ich geahnt, was kommen sollte. Ach ja: und als sich der scheiss Dortmunder vor mir umdreht, und mir einen Blick zuwirft, der mir sagen sollte, dass ich mich mal ruhig verhalten solle, habe ich dem Typ auch noch gesagt, was ich von ihm halte.
Und dann passiert es: Butterweiche Flanke von Dede auf den Kopf von Wörns, der nur noch mit den Haarspitzen dran ist und Kirsche kann die Kugel aus seinem Kasten holen! Super!!! Es gab Zeiten letzte Saison, da wusste ich nicht mal mehr, wie es sich anfühlt, Spiele zu verlieren. Zur Zeit kommt diese Erinnerung lebhaft wieder.
Der HSV hat nicht mehr die Kraft, um noch mal wieder zu kommen.
Die Mannschaft wird später von den Mitgereisten mit Applaus bedacht. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass dieser Applaus nach nicht gewonnen Spielen langsam leiser wird. Wir sind zur Zeit auf dem Weg, alles, was wir uns letzte Saison aufgebaut haben, wieder kaputt zu machen. Oder ist es doch nur so, dass wir einfach mal ein Erfolgserlebnis brauchen? Eines weiss ich aber: eine Mannschaft, bei der es läuft, bekommt nicht innerhalb von einer Woche ein Tor aberkannt, welches man auch geben kann (Laas in Stuttgart) einen Elfer und Platzverweis (Kirsche gegen London) und einen Freistoss, der zum entscheidenen 1:0 (jetzt in Dortmund) gegen sich gepfiffen. Da müssen wir schnell wieder raus.
Die Rückfahrt wird um ca. 18:30h angetreten und ist schnell erzählt. Dummes gesabbel von Groni und mir auf dem Rücksitz, peinliche Kindermobattacke bei Mc Do und ein Feuerwehreinsatz auf der Autobahn, der dem Zweck diente, einen Fahrer aus seinem LKW raus zu schneiden, der wohl irgendwie an der Leitplanke hängen geblieben war.
Um 23:30 werden noch ein paar Getränke bei Groni eingenommen und der Tag mit einen Partie Tabu abgerundet. Übrigens: Ich habe auch hier verloren, sowohl mit Groni als auch mit Julie.
Alles in allem muss ich leider wieder das Motto von früheren Auswärtstouren bemühen: Tour war toll, das Spiel nicht!
Bleibt mir nur noch meinen speziellen Dank an Nina, unsere Fahrerin, zu geben und der Hinweis, dass es nächsten Sonntag fast schon um alles gegen Werder geht. Schon wieder ein Schicksalsspiel gegen die.....
