Montag, April 16, 2007

Mönchengladbach auswärts


Das dass Leben nicht immer so ist, wie in der Zeitung steht, und schon gar nicht so, wie uns die Macher von Filmen wie Pretty Woman oder E-mail für dich, ist ja bekannt. Denn, wenn es so wäre, wäre die Spielansetzung für Gladbach nicht so beschissen gewesen, wie sie war. Dann wäre das spiel nämlich am Sonntag gewesen und Julie und ich wären schön über Gladbach nach Hause gefahren. Stattdessen passierte der Spielansetzungssupergau: Freitag der 13.04.! Nicht nur für Abergläubige ein Datum mit Beigeschmack. Auch für mich, der sich aus dem fernen Rützengrün ins 560 km entfernte Mönchengladbach am Geburtstag seiner Freundin aufmachen musste. Ich glaube, Julie hatte den ganzen Vormittag drauf gehofft, dass ich sie noch überraschen würde mit dem Satz: „Schatz, ich fahre nicht zum Fussball sondern bleibe bei dir!“ Diesen Wunsch erfüllte ich ihr allerdings nicht, sondern setzte mich gegen 13:00h ins Auto. Es ist nicht so, dass sie sauer war. Nein, mit Sicherheit nicht. Sie war viel mehr besorgt, dass mir etwas passieren könnte. Immerhin war die Rückfahrt für direkt nach dem Spiel geplant. „Non Stop“ so zu sagen! Für mich als Planungsfetischisten kam noch hinzu, dass ich mich bei dieser Tour voll und ganz auf meinen schlechten Orientierungssinn sowie das Navi meines Daddys verlassen musste. Das Gelingen dieser Tour legte ich also in die Hände bzw. ins GPS eines Gerätes, über das ich in der Vergangenheit nur allzu gerne bei jeder Gelegenheit ablästerte, wenn es mal wieder nicht den richtigen Weg wies. Über die Fahrt lässt sich nur wenig berichten. Was sollte ich auch erzählen? Unterhalten konnte ich mich mit niemandem und angespannt war ich ausserdem, ob das Navi mir auch immer den Richtigen weg zeigen würde. Und so ging die Fahrt erstmal nach Zwickau auf die A4. Vorbei am Westsachsenstadion, die Spielstätte des FSV. Auf der A4 dann der erste richtig lange Abschnitt. 230 km bis zu A5. Es war sehr warm an diesem Tag und so verging die Zeit nicht mit der gewünschten Schnelligkeit. Irgendwo 30 km vor der A5 sehe ich plötzlich den fetten Bären vom Heide Park Soltau. Schon erstaunlich, dass die hier so weit im Süden Werbung machen. Auf der A5 bin ich dann im Westen. Woher ich das weiss? Die Autobahnen sind nur noch zweispurig, wesentlich schlechter und es fahren mehr Idioten auf der Strasse wie der Typ in seiner S-Klasse aus WL. Da kommt der Arsch bei 170 km/h von hinten angerauscht und ich noch gar nicht ganz im Windschatten, da gibt er mir schon die Lichthupe. Als er mich dann überholt zeige ich ihm mit einer unanständigen Geste, was ich von ihm halte. Aber das scheint diesen Karl Lagerfeld Verschnitt wenig zu interessieren. Er gibt sofort dem nächsten vor uns die Lichthupe. Die nächsten ca. 30 km fahre ich hinter ihm her, weil es jetzt sehr voll ist auf der Bahn. Später kommt mir der Mannschaftsbus von Schalke entgegen, die morgen in Mainz spielen. Am Kreuz Olpe ist es dann endlich so weit. Nachdem ich bei einer kurzen Pause das Navi noch bei Groni und Julie am Telefon in höchsten Tönen gelobt hatte, schickt es mich an diesem Kreuz glatt auf die falsche Autobahn. Zu Entschuldigung sei aber erwähnt, dass das Autobahnkreuz umgebaut wurde, so dass das Navi es nicht besser wissen konnte. Die Software ist halt nicht die neueste. Apropos Groni: Der war mit MP, Nina und Malte ebenfalls auf den Weg Richtung Westen. In regelmässigen Abständen kontaktierten wir uns und gaben uns gegenseitig die Positionen durch. So langsam nähere ich mich meinem Ziel, muss aber vorher noch an Köln vorbei. Hier dann die zweite Fehlleitung der Technik. Aber auch hier kann der Fehler zum Glück relativ schnell korrigiert werden. Jetzt nach 5 ½ Stunden endlich bin ich auf der A61, die mich direkt zu Abfahrt MG-Nordpark führt. Das Groni-Mobil muss auch bald eintreffen und so fahre ich den erst besten Parkplatz an, den ich finden kann. Als ich eingeparkt habe, werde ich von einem Borussia Fan angesprochen, wie weit es denn nach HH wäre. Ich sage ihm, dass ich 500 km schätze, aber es nicht genau weiss, weil ich heute aus Dresden komme. (Wenn ich Rützengrün sage, kennt der das eh nicht). Das versteht er nicht, warum ich mit Hamburger Nummer aus Dresden komme, versichert mir aber auf Nachfragen von mir, dass man von diesem Parkplatz sehr gut wieder runter kommt. Ich bin gespannt... Letztes Mal haben wir 60 Minuten gewartet, bis sich überhaupt etwas bewegt hat. Groni, Malte, MP und Nina sind auch angekommen und so machen wir uns auf den Weg zum Stadion. Das Wetter ist immer noch Weltklasse! Nach einer kurzen Stärkung mit Bier und Wurst machen wir uns auf den Weg zum Stadion. Ich bespreche die Ausgangslage mit Malte, die allerdings relativ eindeutig ist. Gladbach muss gewinnen um überhaupt noch eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben und wir müssen gewinnen, um nicht wieder ganz unten rein zu rutschen. Unentschieden nützt beiden nichts. Ich rege an, dass Stevens ja endlich mal das System ändern könne. Mit Angsthasenfussball hält man die Klasse mit Sicherheit nicht! Wir müssen einmal ums Stadion laufen, um zum Gästeblock zu kommen. Dabei führt uns unser Weg über eine Raute, in die diverse Tafeln mit Namen auf Plaketten eingelassen sind. Leider weiss ich nicht genau, ob es sich um Mitglieder, Gründer des Borussia Parks oder was auch immer handelt. Wer es weiss, bitte Info an mich. Auf jeden Fall geht man nun über die Plaketten hinweg, die auf Hochglanz poliert sind. Das macht mehr her, als die Museumsgründertafeln bei uns im Stadion. Wo sind die jetzt eigentlich nach dem Museumsumbau??? Wir kommen zum Auswärtsbereich, der auch heute wieder gut gefüllt sein wird. Ein Sonderzug hatte hunderte HSV in den Westen gebracht. Wir passieren das elektronische Einlasssystem problemlos. Aber da warten sie schon wieder. Wie die Geier! Ordner im Auswärtsbereich gehört zu dem Menschenschlag, den ich nach Bundesligaschiedsrichtern, Zahnärzten und Zöllnern am wenigsten leiden kann! Doch was ist das? Ein Lächeln? Ein „Guten Abend“? Bin ich im falschen Film? Der Typ tastet mich ab, und errät, dass ich eine Kamera in der Tasche habe. Auf der anderen Seite habe ich eine Packung Kaugummis, was er zwar fühlt, aber nicht errät. Ich sage ihm, was das ist, und er wünscht mir ein schönes Spiel! Unglaublich! Es geht also auch anders. Auf einem kurzen Besuch der örtlichen Bedürfnisanstalten betreten wir den Auswärtsbereich des Stadions. Der Borussia Park ist eigentlich ein recht schönes Stadion. Einzig der Standort lässt zu wünschen übrig. Der Borussia Park ist auf die freie Wiese ausserhalb von Mönchengladbach gebaut worden und ist somit relativ weit ab vom Schuss. Keine Kneipenlandschaft, kein Flair. Fast wie bei uns, nur schlimmer! Die Nordkurve ist imposant anzusehen. Viele Fahnen geben ein echt gutes Bild ab. Die Mannschaften betreten zum Warmmachen das Feld, und es wird zum ersten Mal laut. Wir versuchen die Anfangsformation aus der Wahl der Aufwärmkleidung abzuleiten. Aber irgendwie kann das nicht stimmen: Berisha, Wicky, Sorin machen sich intensiv warm. Sorin hatte ich ja schon komplett gestrichen, und plötzlich ist er in der Startelf? Genau wie Berisha? Dafür Mehdi raus. Und Guerrero wieder mal, nach langer Zeit, auf der Bank. Na, das wird ja was. Es sind noch 30 Minuten bis zum Anpfiff. Diese warten macht einen echt fertig! Kurz vor 20:30h heizt der Stadionsprecher den Borussen mächtig ein. Die Mannschaftsaufstellung wird vom Triumphmarsch eingeleitet. Jetzt sind alle Fahnen in der Nordkurve in Bewegung und Malte stellt völlig zu recht die Frage: „Sieht das bei uns genauso geil aus?“ Ich glaube nicht...leider! Danach kommt die Borussiahymne: Die Elf vom Niederrhein! Und das hat jetzt schon richtig Gänsehautfeeling. Allerdings bin ich der Meinung, dass sie die Musik leiser machen sollten, damit man auch die Leute hört. Die Mannschaften betreten den Rasen, es hallt durch das Rund: „JA UND WIR SCHWÖRN, STEIN UND BEIN, AUF DIE ELF VOM NIEDERREIHN... BORUSSIA UNSER DREAMTEAM! DENN DU BIST UNSER VEREIN!“ Wir haben dem nichts entgegen zu setzten und halten einfach unsere Klappe! Steven fängt wirklich mit einer deutlich anderen Elf als gegen Stuttgart an: F. Rost, Benjamin, B. Reinhardt, Mathijsen, Sorin, Jarolim, Wicky, Laas, Berisha, van der Vaart, Olic. Vor uns lag nun ein schreckliches Fussballspiel. Nach dem Motto: HSV wollte nicht, Gladbach konnte nicht! Erste halbwegs gefährliche Szene für Gladbach in Minute 11. Jansen setzt sich (übrigens nicht das letzte Mal) gegen Benjamin durch, flankt, aber ein Hamburger kann den Ball zur Ecke klären. Jansen gefällt mir echt gut. Schnell, Ballsicher. Er hat nur das Problem, dass seinen Flanken keinen Abnehmer finden. Rafale ist an Harmlosigkeit nur von Olic zu überbieten. Dieser versucht es seinerseits mit einem Seitfallzieher von der Strafraumgrenze, aber der Ball kullert ungefährlich ins Aus. In Minute 23. dann so was wie Fussball: Van der Vaart wird von links angespielt, und leitet den Ball direkt mit der Hacke zu Sorin weiter, der an der 16 Meter Marke sichtlich überrascht keinen präzisen Schuss abgeben kann. Oh Mann, warum verstehen diese Pappnasen Raffis Ideen einfach nicht! Manchmal glaube ich, er spiel zu schnell für den Rest der Mannschaft! Es sollte aber die letzte Gelegenheit für uns in Halbzeit eins bleiben. Danach kommt nur noch Gladbach: Gleich 5 gute Möglichkeiten in Minute 29, 31, 41, 44 und 45 lassen uns das Blut gefrieren. Schon sehr bitter, wie Insua „nur“ die Latte trifft und Kluge dann den Abpraller aus 8 Metern auf den B-Rang des Borussia Parks drischt! Zum Glück für uns. Gladbach hat diese Saison erst 22 Tore erzielt. Hier sehen wir, warum. Halbzeit! Groni bringt es auf den Punkt: Das war unsere schlechte Halbzeit, jetzt kommt unsere gute! Schlecht ist allerdings noch ein nettes Wort für das, was Olic, Berisha und Laas dort spielen. Olic, der den Ball so an nimmt, wie andere ihn schiessen, strahlt keinerlei Torgefahr aus. Seine Laufwege sind nicht nachvollziehbar und man hat den Eindruck, er versteckt sich immer hinter seinem Gegenspieler. Berisha und Laas produzieren nur Fehlpässe, die Gladbach immer wieder Kontermöglichkeiten ergeben. Und wir reden hier nicht über 30 Meter Pässe...es sind manchmal 5 Meter, die unüberwindbar scheinen. Dazu noch ein Reinhardt, der heute sehr unsicher wirkt. Es kann nur besser werden in Halbzeit zwei. Und tatsächlich...es wird besser. Nicht die einzelnen Spieler. Die machen da weiter, wo sie aufgehört haben. Aber jetzt ist Kampf und Siegeswillen spürbar. Sie versuchen immerhin, das Tor zu erzielen, auch, wenn die aussichtsreichen Konter immer wieder verschenkt werden. In Minute 47 muss Reinhardt verletzt raus und Abel kommt. In Minute 66 kommt Neuville für Insua, und ich denke mit Grausen an das Hinspiel, als der deutscheste aller deutschen Nationalspieler uns noch kurz vor Schluss den Ausgleich einschenkt und damit für Gladbach’s ersten Auswärtspunkt sorgt. Längst ist für mich ein Wechsel Mahdaviakia für Berisha und Guerrero für Olic überfällig. Aber Stevens wechselt nicht. Später wird er erklären, dass er auf Olic bei den Standards nicht verzichten wollte. Klingt ja so, als wenn Olic einen Freistoss und eine Ecke nach der nächsten ins Tor köpft! Er muss aber was machen, sonst spielen wir hier gegen diese schwachen Borussen, die jetzt keine einzige Torchance mehr haben noch 0:0! In der 82. Minute dann der Wechsel: Mehdi macht sich bereit, und Olic will schon Richtung Mittellinie traben. Er weiss, dass das hier heute mal wieder nichts war. Aber Stevens lässt ihn drauf und nimmt Berisha runter. Viel zu spät! Dann die 90. Minute: Guerrero kommt für Olic, und wir fragen uns, was der junge jetzt noch bringen soll. Seine erste Aktion ist ein gewonnenes Kopfballduell im Mittelfeld. Groni bemerkt hierzu nur sarkastisch, dass das schon mehr war, als Olic in 90 Minuten hin bekommen hatte. Dann die minute, die alles in ein anderes Licht rücken sollte. Sorin fängt einen Angriff ab uns spielt auf Guerrero. Der läuft auf zwei Gladbacher Abwehrspieler zu und hat nur zwei Möglichkeiten. Entweder er passt nach (in Laufrichtung) links zu van der Vaart oder rechts zu Mahdavikia. Er entscheidet sich für Mehdi. Dieser nimmt kurz den Ball an, ist jetzt schon im Strafraum. Später in der Wiederholung sehe ich, dass Mehdi gar nicht hoch schaut, als er den Ball flach wieder in die Mitte spielt. Guerrero hat in diesem Moment das richtig gemacht, was Olic zuvor 90 minuten flasch gemacht hatte. Er hatte sich vor seinen Gegenspieler geschoben und stand nun einschussbereit am 5 Meterraum. Der Ball kommt also rein, Guerrero hält den Fuss hin und Keller im Borussia Tor ist geschlagen. 0:1! Ich gestehe, ich habe das Tor als solches gar nicht gesehen. Ich habe nur gesehen, dass die das Netz bewegt und da lag schon irgendjemand auf mir drauf. Ein Jubelorkan der mitgereisten, vorher sehr leisen HSVer durchschneidet die Stille im Borussia Park. Kennt ihr die Szenen aus „Der Soldat James Ryan“ als Tom Hanks die Geschehnisse um sich herum nur in Zeitlupe ohne Ton wahr nimmt? So geht es mir jetzt auch, weil Malte mir in einem Anflug von Begeisterung genau ins Ohr gebrüllt hat. Ich nehme nur noch ein leises Pfeifen wahr und sehe die Menschen um mich herum lachen und kreischen. Verzerrte Gesichter, die das pure Glück ausdrücken. Ich umarme alles, was ich in die Finger bekomme, um es sofort wieder los zu lassen. Dann drehe ich mich um, sehe Nina wie sie auf der Stelle vor entzücken auf und ab hüpft. Auch ihr Gesicht ist verzerrt. Dann greife ich mir den Typ, der schon das ganze Spiel neben mir stand und umarme ihn! Als sich der erste Sturm der Begeisterung gelegt hat, und die obligatorischen „AUSWÄRTS SIEG! AUSWÄRTS SIEG“! Rufe erklingen, stehe auch ich wieder aufrecht da. Groni umarmt mich jetzt noch mal von hinten und wir wissen: Das wars. Hier passiert nichts mehr. Wenig später ist Schluss und die eben noch fluchende Anhängerschaft des HSV liegt sich Siegestrunken in den Armen. Die Zäune werden gestürmt und ich sehe viele Typen Oberkörperfrei! Ja, der Sieg ist unser. Aber hätten wie heute einen ernstzunehmenden Gegner gehabt, hätten wir das ding wohl nicht gewonnen. Nach den allseits bekannten Jubelszenen machen wir uns auf den Weg zum Ausgang. Im Gedränge stosse ich mit einem übel aussehenden Typen zusammen. Hätten wir nicht gewonnen, hätte er mir wahrscheinlich eins auf die Fresse gehauen. So klopft er mir aber auf die Schulter und lächelt mich an. Am Ende der Treppe treffen sich viele Leute und umarmen sich wieder und wieder. Ich stelle fest, dass es solche Szenen nur nach einem späten 0:1, 1:2, etc. geben kann. Wie war es wohl damals in Kopenhagen? Wir verlassen das Stadion. Uns kommen jetzt jede Menge übelst gelaunte Gladbacher entgegen. Klar, die sind jetzt so gut wie abgestiegen. Ich gehe jeder Rempelei aus dem Weg, weil das hier jetzt wie das sprichwörtliche Fass mit Banzin ist. Ein Streichholz genügt, und die Stimmung könnte eskalieren. Daher verstehe ich auch die HSVer nicht, die mit hochgereckten Schals hämische in Richtung der Gladbacher den Sieg feiern. Das kann ins Auge gehen. Noch schnell ein paar Erinnerungsfotos gemacht, weil so schnell sehen wir dieses Stadion wohl nicht wieder. Wir schlendern zufrieden und umgeben von rosa Wölkchen Richtung unserer Fahrzeuge und reden dabei unseren Sieg verdient. Was ein Tor doch bewirken kann. Gronis Golf erreichen wir zu erst und so verabschieden wir uns. Simon will noch zu seiner Freundin nach Köln. Da ich an Köln vorbei fahre, nehme ich ihn mit. Der Parkplatz leert sich ähnlich schlecht wie letztes Jahr und so bleibt mir noch Zeit, die 40 Liter billig Benzin aus Tschechien in mein Auto zu füllen. Leider nur mit mittelmässigem Erfolg: Der erste Kanister geht ja noch vergleichsweise gut rein, aber bei zweiten geht gar nichts mehr. Der Kraftstoff läuft immer wieder irgendwo raus, und ich kann leider nicht erkenne, wo, weil es auch sehr dunkel ist auf dem Parkplatz. Nachdem ich ca. 1 Liter Kraftstoff so am Tank vorbei giesse, entschliesse ich mich, das Experiment abzubrechen, damit hier nicht noch jemand die Bullen ruft und ich das verseuchte Erdreich abtragen darf. Scheisse! Die 20 Liter hätten mir noch gut getan. Am nächsten Tag erfahre ich, dass es nicht meine Schuld war. Der „Rüssel“ für den Kanister passte nur auf den ersten, nicht aber auf den zweiten, so dass es unmöglich war, überhaupt das Benzin einfüllen zu können. Julies Daddy hatte vergessen mir das zu sagen und mir auch den zweiten Rüssel mit zu geben. Das ist Balsam auf meine stark lädierte Handwerker und Mechaniker-Seele! Irgendwann kommen MP und ich auch vom Parkplatz runter, und nach einer kleinen Spritztour in die falsche Richtung, Sightseeing durch Kölns (mittlerweile geräumten) Strassenstrich und tanken am Nachtschalter lasse ich ihn bei seiner Freundin raus. Jetzt beginnt der wirklich harte Teil der fahrt: Alleine habe ich noch gute 450 km zu fahren. Und wie macht man das am Besten? Ich habe mich entschlossen, laut zu singen und möglichst schnell zu fahren. Das erhöht die Konzentration! Die Foo Fighters, Rosenstolz, die Bloodhound Gang, Rammstein zusammen mit T.A.T.U. sowie die Sportfreunde Stiller feiern dabei gelungene Auftritte in meinem Cockpit! Zeitweise kann ich die Geschwindigkeit nicht mehr richtig einschätzen und fahre z.B. mit 40 km/h einem LKW hinter her. Dann ein wohl einmaliges Bild: mein Tageskilometerzähler springt von 999,9 km auf 000,0 km um. Die Textstelle von Abschlach „Wir fahren 1000 Meilen für den HSV!“ bekommt jetzt einen greifbaren Sinn! Ich telefoniere Mal mit Groni, Mal mit Julie. Um 2:30h Nachts bewege ich scheinbar den einzigen PKW auf der A4 zwischen einigen LKWs. So müsste Autofahren immer sein. Langsam werde ich Müde und muss mich beeilen, wieder in Rützengrün anzukommen. Gegen 4:00h durchquere ich Zwickau viel zu schnell und Rammstein gibt mir noch mal den letzten Kick. Um 4:30h bin ich wieder bei Julie, die keine Lust mehr hat, sich meine Geschichten anzuhören. Das ist schon o.k. Morgen ist ja auch noch ein Tag! Nächste Woche kommt Mainz. Ich schlafe mit gutem Gefühl ein, weil ich glaube, dass einzig das Ergebnis der Truppe auftrieb geben wird. Noch 5 Punkte bis zum endgültigen Klassenerhalt. Man, was für eine Saison...