
Was war das bloss für eine Woche? 1:1 in Bielefeld... Ausgleich in der 88. Minute durch Borges. 1:1 gegen Cottbus... Ausgleich kurz nach unserer Führung. Entlassung von Doll, Absage von Magath, Verpflichtung von Stevens. Es ging drunter und drüber. Aber besser wurde es leider nicht. Für mich ist Stevens bei weitem nicht die Ideallösung. Magath wäre schon das non plus ultra gewesen, aber wer kann es dem Mann, der 83 den grössten Vereinserfolg mit seinem Tor gesichert hatte, verdenken? Er will auch nicht der Trainer sein, der als erstes mit dem HSV absteigt. Geld hin oder her. Ich glaube einfach, er könnte sich das nicht verzeihen. Nun ist Stevens da und hoffentlich kann er seine holländischen Kollegen zu Höchstformen anspornen. Sonst gehen bald die Lichter aus.
Samstag, 8:00h. Die Augen gehen auf, weil der Wecker klingelt. Nanu? Kein Kribbeln im Magen. Kein Drang, sofort aufzuspringen und sich das Trikot überzustreifen. Stattdessen erlebe ich das erste Mal das Gefühl der Bocklosigkeit. Ich habe heute keine Lust, zum Fussball zu fahren. Ich möchte bei Julie im Bett bleiben und etwas mit Ihr unternehmen. Sie hätte längst mal verdient, dass ich mich gegen den Fussball und für sie entscheide. Aber heute liegt Berlin an. Irgendwie weiss ich schon, wie es heute ausgehen wird, obwohl ich noch nicht mal pinkeln gewesen bin. Wir werden gut spielen, vielleicht gehen wir in Führung. Und am Ende werden wir wieder mit hängenden Köpf den grünen Rasen bzw. das Stadion verlassen. Und die Chancen stehen heute dafür nicht mal schlecht. Berlin steht auf der Heimtabelle an Platz 1. Ausserdem kommt der Tabellenletzte gerade recht, um die Schmach der 0:5 Klatsche gegen 96 vergessen zu machen. Und so fällt mir das Aufstehen heute sehr schwer. Irgendwie fing das schon alles Scheisse an. Gestern beim Pokern konnte ich leider den Heimbonus nicht nutzen und habe ordentlich Lehrgeld bezahlt. Und nicht nur das: Die ganze Situation mit dem HSV scheint mich mehr zu belasten als ich mir selber eingestehe. Ich bin gereizt und schnell genervt. Nochmals Sorry an die Herren, die sich die eine oder andere verbale Ohrfeige an jenem Freitag eingefangen haben (vor allem Tim). Irgendwie schaffe ich es an diesem Samstag morgen, doch noch alle Körperöffnungen zu reinigen, mich anzuziehen und mich auf den Weg Richtung Berlin zu machen. Aber ich bin viel zu spät. Da kommt es mir ganz gelegen, dass Tim und Ken auch eine Bahn verpasst haben. Ich marschiere also bei traumhaftem Wetter mit wolkenlosem Himmel und Sonne den Fuhlsbütteler Damm runter Richtung Erdkampsweg. Dort sehe ich einen Typ mit längerem fettigen Haar, Jogginghose und HSV Kutte und schnall, dass es heute wohl mehr solcher Typen im Sonderzug geben wird. Bei EUR 5,00 pro Fahrt ist die Grenze für den Abschaum unserer Fankultur halt ziemlich niedrig, mit zu fahren. Aber dazu später mehr. Ich biege ab Richtung U-Bahnhof Fuhlsbüttel und komme an dem UCH Stammgriechen Fedra vorbei. Dort wo sich unser Traum und unsere Idee eines niveauvollen Fanclubs bei reichlich Bier und Ouzo konkretisieret hat. Schon witzig, wenn es nicht traurig wäre: Wir gründen uns in der letzten Saison des HSV in Liga 1. Naja, immerhin noch in Liga 1. Am Fuhlsbütteler Bahnhof sehe ich schon die nächsten Jungs mit HSV Schal. Für die wahrscheinlich super, dass es nur 5 Euro kostet. Sonst könnten sie heute nicht mitfahren. Ich schwenke um die Ecke zum Zeitungsladen, weil der im Bahnhof einem arroganten Arschloch gehört. Als ich den Laden beträte spricht die Besitzerin mit einer alten Dame und einem Mann. Es geht um irgendein Spiel...keine Ahnung. Ist mir auch egal, will nur einen Bild Zeitung haben um mir für 50 Cent ein paar letzte Informationen einzuverleiben. Plötzlich sagt die alte Frau, dass sie den HSV ja noch von vor dem Krieg kenne. Am Rothenbaum hätte sie immer zugeschaut. Oh. Das lässt mir einen Schauer über den Rücken fahren. Offensichtlich beschäftigen sich doch mehr Leute mit dem Schicksal des HSV als ich geglaubt habe. Ist schon komisch in einen Zeitungsladen in seinem Stadtteil zu kommen und dort die „Alten“ über den HSV reden zu hören. Nette Geschichte. In der Bahn treffe ich Ken und Tim. Heute wird es für mich nur auf der Hinfahrt Bier geben, da ich Julie versprochen habe, sie abends von einer Freundin noch abzuholen. So richtig an einen Grund zum trinken (z.B. Sieg in Berlin) glaube ich eh nicht. Dann kann ich ihr wenigstens diesen Gefallen tun. Ken und Tim klönen über Online Games...WoW und 2nd Life, oder so ähnlich. Komme mir etwas verloren vor, weil ich keine Ahnung habe, wovon sie reden. Aber egal. Zum Glück wird das Thema Poker nur kurz beleuchtet. Muss ja nicht sein, dass hier meine Niederlage vom Freitag breit getreten wird. Tim hat heute keinen Jutesack dabei. Kann also auch nichts kaputt machen. Beruhigende Erkenntnis! Am Hbf angekommen, lassen wir uns an einem Stegtisch der Pilsbar nieder. Ein gemütliches Hasseröder vor der Abfahrt. Um 10:30h bewegen wir uns Richtung Zug, der statt Gleis 8 auf Gleis 11 abfährt. Warum wir das wissen? Weil sich uns ein unglaubliches Bild bietet: Ca. 800/900 HSV Fans auf dem Bahnsteig Nr. 11. Die können sich nicht alle irren und so machen wir uns auch auf den Weg zu Gleis 11. Clever wie wir nun mal sind stellen wir ganz an den Kopf der Masse in der Hoffnung, einen ruhigen Waggon abzubekommen. Und der Plan geht auf. Wir sind im letzen Wagen und haben bis Berlin unsere Ruhe. Unglaublich aber wahr: Tim schafft es sogar, ein Rauchverbot im Wagen durchzusetzen. Wir klönen über gott und die Welt und es ist wie eigentlich auf jeder Auswärtsfahrt: sehr unterhaltsam. Das muss ich wirklich mal sagen: Ich habe wirklich diese Saison äusserst gute Gesprächspartner auf den Touren gehabt. So auch heute wieder. Ken gesteht mir, dass er noch NIE zu einem Auswärtsspiel gefahren ist. „Nicht mal Bremen?“ Frage ich. „Nicht mal Bremen!“ sagt er. Am Millerntor war er mal... Schon verblüffend, wie man so lange HSV Fan sein kann, und noch nie das Team auswärts unterstützt hat. Es ist halt wie beim Sex: Die einen fangen früh an, die anderen später. Und manche tuen es nie... Wir kommen 20 Minuten zu früh in Spandau an. Ich empfinde es als sehr angenehm, dass wir nicht durch die ganze Drecksstadt müssen. Werde mich wohl nie mit Berlin anfreunden können. Die Stadt ist hässlich, die Menschen unfreundlich und bilden sich sonstwas auf Ihren Hauptstadtstatus ein. Ich hab Berlin noch nie gemocht und werde es auch nie mögen. Basta. Wir besteigen die S-Bahn mit dem Grossteil des Sonderzuges. Und da ist es wieder...das Gefühl, dass ich mich für meinen Verein und seine Anhänger schämen muss. „IHR IM OSTEN, LEBT AUF UNSERE KOSTEN!!!“ schallt es durch die Bahn. Meine Güte. Wann werde diese Dummbeutel es endlich schnallen, dass Hertha ein West-Berliner Verein ist und wir hier auch gerade in West-Berlin sind? Am Olympiastadion angekommen besorgen Ken und Tim erstmal Bier. Berliner Kindel, oder irgend so eine Plörre. Da beneide ich ja die Bremer, die überall auf der Welt ihr Becks trinken können. Holsten findet man doch eher selten, wenn man nicht gerade im Dunstkreis der Hansestadt ist. Ich rufe Groni an, der heute ein Meeting mit seinem Gegenpart von Hertha BSC hatte. Er geht nicht ran. Wahrscheinlich schlägt er sich auf Hertha Kosten schon die Wampe im VIP Bereich voll. Ich rufe Thorsten an, der heute auch in Berlin ist. Man sieht ihn ja nicht oft bei Heimspielen, aber Hertha nehmen er und sein Bruder immer mit, um ihren Onkel zu besuchen. Er wird gleich da sein. Kurz Julie angerufen und Meldung gemacht. Danach kommen die Detjen Brüder und nach kurzem Plausch streben wir auf das Stadion zu. Es ist ja schon beeindruckend, was die Nazis hier hingesetzt haben. Das Riesending bekommt man einfach nicht auf ein Bild und so muss Tim wieder die Panoramafunktion seines Handys bemühen. Nach kurzem anstehen betreten wir den äusseren Sicherheitsbereich des Stadions. Noch kurz ein Foto von der Glocke mit dem Hackenkreuz und ab geht es zum Block. Ist ja immerhin schon 15:00h und ich habe bereits mein Pläne, die Fahne auf dem Kopf aufzuhängen aufgegeben. In den letzten Minuten hat das Bier den Druck auf meine Blase extrem Erhöht und so suche ich das Klo auf. Und hier nun eine Prämiere für mich als Auswärtsfahrer: Als ich vom Klo wieder runter will, wollen die Hertha Ordner von mir am Ausgang der Toilette meine Eintrittskarte sehen. Und nicht nur von mir...von allen, die das Klo verlassen. Auf der anderen Seite wäre wohl ein Durchgang gewesen und man hätte sich ja in den Block schleichen können. Geiles Ding. Anstatt die äussere Tür zu zumachen, oder die Karten nur unmittelbar am block zu kontrollieren, werden lieber all Betrunken, die von der Toilette kommen kontrolliert, was natürlich zu sinnlosen Diskussionen führt. Ja, in Berlin denkt man mit. Wir gehen in Block und stellen uns relativ weit nach unten, obwohl wir Karten für Reihe 2 haben. Im Auswärtsblock steht jeder da, wo es ihm gefällt. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Und das weiss auch jeder. Ausserdem stehen wir so hinter Steven und neben Thorsten & Friends. Sagte ich gerade, dass das jeder weiss? Nein, es weiss nicht jeder, wie ich an diesem Nachmittag lernen muss. Und jetzt glaubt nicht, dass eine Familie mit 2 Kindern ihre Plätze eingefordert hätte. Das hätte ich ja noch verstanden. Nein, da kommen Typen mit 1887 Klamotten, die eigentlich wissen sollten wie der Hase läuft und mucken rum, wie sollen gefälligst auf unsere Plätze gehen. Ich habe jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder behalte ich die Ruhe und habe damit eine gute Chance, das Spiel im Stadion zu verfolgen anstatt am Radio in der Stadiongefängniszelle, oder ich erklären den Typen, dass ich sie nicht besonders leiden kann und sie hier 3 Minuten vor Anpfiff mal die Füsse still halten sollen. Das könnte allerdings das Radio in greifbare Nähe bringen und so lasse ich sie in dem Glauben, man müsse Auswärts auf seinen Platz beharren. Der Klügere gibt halt Nachhilfestunden... 3 Reihen weiter unten bekommen wir dann unseren Platz und können nun ruhig das Treiben auf dem Rasen verfolgen. Das spiel fängt an. Stevens neben Bäron auf der Bank. Ein Schwarm von Fotografen umlagert den neunen HSV Coach. Wir beginnen mit Rost, Benjamin, Reinhardt, Mathijsen, Atouba, de Jong, Jarolim, Laas , van der Vaart, Sanogo, Olic. Und es ist, wie ich es mir heute morgen kurz nachdem der Wecker geklingelt hat schon gedacht hatte: Wir spielen gut! Das liesst sich später auf Kicker.de so: „Aggressiv und offensiv begann der HSV im Olypmpiastadion - Hertha kam in den ersten Minuten kaum aus der eigenen Deckung heraus. Laas setzte eine Duftnote aus der Distanz(6.)“ Aber dann passiert es. Pfiff und Schiri Kinhöfer zeigt auf den Punkt. Irgendwie war ich gerade mit etwas anderem beschäftigt (weiss echt nicht, wo ich hin geguckt habe) und somit kann ich nicht beurteilen, ob es wirklich ein Elfer war. Am Abend werde ich, nachdem ich die Bilder im Sportstudio gesehen habe, mit Kinhöfer einer Meinung sein. De Jong einfach zu dämlich gegen Pantelic. Allerdings ist Pantelic auch ziemlich dämlich und schnappt sich selber den Ball. Der Gefoulte soll ja bekanntlich nicht selber antreten und so hält Rost ziemlich cool mit der linken Hand diesen Strafstoss. Geiles Ding! Sowas muss doch einen Rück geben!!! Und das tut es auch. Der HSV spielt gut nach vorne und steht hinten sicher. In Minute 26 taucht dann Reinhardt alleine vor Fiedler auf, schiesst diesen aus 6 Metern aber kläglich an. Warum sind bei solchen Situationen eigentlich immer unsere Abwehspieler frei vorm Tor? Toll geklärt, Reinhardt, möchte man sagen. Dann aber geht es ab: Langer Ball auf Olic, der lässt Fathi im Strafraum ziemlich alt ausshen, passt rüber zu Laas. Der stoppt den Ball und spielt eine Rückgabe zu Fiedler. Den Begriff „Schuss“ hat der Ball nicht verdient, der da auf Fiedler zukommt. Doch was macht der? Fällt um wie eine Bahnschranke, das Ding rutscht durch, es steht 0:1 und Tim bekommt die Bierdusche! Ich schreie meinen Frust heraus und klatsche mit einem Typen ab, den ich noch nie gesehen habe! Im Gewirr sehe ich, wie de Jong und van der Vaart ihre Fäuste Richtung Auswärtsblock strecken! Vielleicht wird heute doch alles anders? Vor der Pause passiert nicht mehr viel und so steht es wie genau vor 7 Tagen auch 0:1 zu Halbzeit für uns. Der einzige, der mir mal wieder nicht gefällt ist Sanogo. Kein Feuer, keine Gefahr. Er führt nur sein Trikot spazieren. Aber das Stevens bestimmt gesehen und er wird ihn zur Halbzeit raus nehmen. Da bin ich mir sicher.
Nein, er nimmt ihn nicht raus. Unverändert geht es in die zweite Hälfte. Unverändert? Nein, offensichtlich hat die Mannschft ihren Siegeswillen in der Kabine gelassen denn jetzt bettelt sie (genau wie in Bielefeld) um den Ausgleich: „UEFA-Cup-Aspirant zeigte sich nun wesentlich engagierter als vor dem Wechsel, Hamburg kam kaum mehr aus der eigenen Hälfte. Dardai (52.) und van Burik (55.) hatten Halbchancen, der nun sichtlich aufblühende Bastürk scheiterte per direktem Freistoß an der Querlatte (57.).“ schreibt der Kicker dazu. Und jetzt fängt es an, komisch zu werden. 62 Minute: der gefährliche Olic muss raus, dafür kommt Berisha. Sanogo darf weiter spielen. Offensichtlich ist Olic konditionell noch nicht auf der Höhe. In der 69 Minute kommt ein Mann Namens Mineiro, der noch traurige Berühmtheit erlangen sollte. Aber zunächst die 78 Minute. Wie einer von diesen unnötigen Freistössen in Strafraumnähe. Gilbert läuft an, und Friedrich kann ihn, wahrscheinlich freier als im Training, in der kurzen Ecke per Kopf unterbringen. 1:1! Naja, wenigsten mal nicht kurz vor Schluss! Damit kann ich Leben. Nicht aber mit dem, was dann passiert: Raffi läuft alleine auf Fiedler zu, legt sich aber den Ball zu weit vor und so kann Fiedler klären. Eine solch technische Ungenauigkeit hätte ich ihm nicht zugetraut. Das ist auch seine letzte Aktion. Danach kommt Sorin für ihn. Oh Mann!!! Warum nimmt man ihn denn 8 Minuten vor Schluss raus? Er kann doch kein Konditionsproblem haben! Vorher kam übrigens Klingbeil für Jarolim. Noch einen Satz zu Sorin: Der hatte sich, weil er nicht von Anfang an spielen durfte, vor dem Spiel nicht warm gemacht. Und als er kommen sollte, nur sehr widerwillig das Aufwärmprogramm abgespult. Tolles Ding! Beleidigte Leberwürste sind das letzte, was wir jetzt brauchen. Und so passt es dann auch ins Bild, dass er noch kurz vor Schluss eine Grosschance vergibt. Allerdings schiessen Mathijsen und Boubacar „El Blindo“ Sanogo den Vogel ab. Irgendwie kommt der Ball hoch in den Strafraum und landet (wie in Halbzeit eins bei Reinhardt) vor Mathijsens Füssen. Der zieht auch ab, trifft aber weder das Tor noch Fiedler sondern Sanogo. Unglaublich!!! In der 92 Minute lässt dann Sorin Mineiro ziehen und der fasst sich aus knapp 30 Metern ein Herz. Wenig später haben wir 2 Punkte weniger und die Bundesliga vermutlich einen neuen Schützen zum Tor des Monats. Aber ich bin erneut verwundert von mir, weil dieser Fernschuss mich nicht wie ein Pfeil ins Herz trifft. Vielmehr hatte ich es erwartet und so verlasse ich schnell aber gefasst das Stadion. Auf dem Weg zum Ausgang sehe ich einen Typ mit HSV Pudelmütze, der sein Gesicht in seinen Händen vergräbt. Er weint Rotz und Wasser.
Wir gehen zurück zur S-Bahn wo wir Steven treffen. Er erzählt uns, dass er mit den Typen, die auf ihren Sitzplatz beharrt, auch noch Ärger hatte. In Berlin Spandau haben wir dann noch knapp eine Stunde Zeit, bis unser Zug fährt. Also betreten wir die Spandau Arcaden zwecks Nahrungsaufnahme. Dort zeigt dann der HSV Mob sein hässliches Gesicht: Prollos, die rumpöpeln, rumgröhlen und einfach nur peinlich sind. Und ich trage die gleichen Farben wie sie... Können diese Vollidioten nicht mal nach einer Niederlage die Schnauze halten und das oft zitierte Hamburger Understatement an den Tag legen? Das hat nichts mehr mit coolem Auftritt in einer fremden Stadt zu tun, sonder ist einfach nur noch Unterschichtsniveau. Wir verlassen schnell wieder die Arcaden mit Döner und Pizza und warten auf dem Bahnsteig auf unseren Zug. Hoffentlich bekommen wir einen ähnlich ruhigen Wagen wie auf der Hinfahrt. Es trifft das Gegenteil ein. In unserem Abteil haben wir das zweifelhafte Vergnügen eines tragbaren CD Players der die Best of Onkelz zum Besten gibt. Dazu Leute, die mit Ketchup rumsauen und Korn pur aus Flaschen trinken. Seit langer Zeit höre ich mal wieder „Sieg Heil!“ Rufe. Endlich, hier bin ich zu Haus. Das ist mein Verein, Klasse! Leider entscheide ich zu spät, den Rest des Zuges nach 3 freien Plätzen abzusuchen. Der Zug ist einfach bis auf den letzten Platz voll. Die 3 Stunden werden ja wie im Flug vergehen. Die Polizei steht neben an, aber als sie später den Standort wechselt, melden sich die Maulhelden zu Wort:“ ALL COPS ARE BASTARDS - A.C.A.B!“ Heldenhaft Jungs! Wenn ihr so geile Macker seid, warum ruft ihr das denn nicht, wenn die noch in Hörweite sind? Noch besser: Warum haut ihr die nicht mal um? Ach was rege ich mich eigentlich auf! Jeder hat das Recht für seine 5 Euro Eintrittsgeld in diesem Zirkus zu machen, was er will. Zum Glück erreichen wir deutlich zu früh Hamburg und so geht auch diese Fahrt vorbei. Ganz ist es allerdings noch nicht vorbei. Ken sorgt noch dafür, dass der HVV um 40 Euro reicher wird. Er hat schlichtweg vergessen, sich eine Fahrkarte zu kaufen...
Zuhause schaue ich noch die Zusammenfassung im Sportstudio. Es wird jetzt verdammt eng. Nächste Woche kommt Dortmund. Gegen die haben wir die letzten drei Heimspiele verloren. Und noch etwas aus dem Statistikteil: Es hat noch nie eine Mannschaft, die am 20. Spieltag 15 Punkte hatte, den Klassenerhalt geschafft...
Heute wünschte ich, ich wäre der, der ich früher einmal war, als ich werden wollte, was ich jetzt bin: Ein 34 Spiele Fahrer.