Freitag, November 10, 2006

Stuttgart auswärts


Irgendwie wäre es ja ganz lustig, wenn es nicht so traurig wäre: Vor dem Spiel in Stuttgart meldeten sich doch gleich mal weitere 3 Profis ab. Kompany (4 Monate Pause), Sorin (4 Wochen) und Atouba (unbekannt) komplettierten das ohnehin schon überfüllte HSV Lazarett. Somit fehlten neben den drei eben angesprochenen noch de Jong, Wicky, Demel, Reinhardt und Benjamin. Das sind 8 Profis, wovon uns der eine oder andere mit Sicherheit weiterhelfen könnte, die Seuche los zu werden. Und die Seuche haben wir, das steht fest. Stuttgart ist übrigens keine Reise wert, wie ihr gleich lesen werdet.

Die Tour begann mit einem 400 g Holzfällersteak im Schweinske HH Hbf. Da ja von der geneigten Leserschaft, die hier angesprochen wird, keiner Bereit war, diese Mördertour auf sich zu nehmen, musste Julie ihr Versprechen wahr machen. Sie hatte gesagt, dass überall, wo keiner mit hin kommt, sie mitfahren würde. Ich glaube, angesichts der Fahrzeit, zu denen ich später noch kommen werde, bereute sie bereits ihre große Klappe. Wie gegen Wolfsburg auch schon, versuchte ich einen Mythos zu erzeugen, in dem ich nach einem neuen Glücksbringer suche. Hatte ich schon mal erwähnt, dass Aberglaube und feste Rituale ein Zeichen von Unsicherheit sind? Sicher war ich mir nur in einer Sache, nämlich dass wir heute 4 bis 5 Dinger kassieren würden. Dennoch sollte es heute eine neue Armbanduhr richten, die diese Saison noch gar nicht zum Einsatz gekommen war. Irgendwann muss doch ich auch mal mein Glückssakko bzw. meine Glücksarmbanduhr finde. Aber zurück zu meinem Holzfällersteak, welches wirklich gelungen war. Julies Kartoffelauflauf ließ hingegen jeglichen Geschmack vermissen. Vor geraumer Zeit hatte ich mir geschworen, dass Schweinske im Hbf zu meiden. Mit fiel nur gerade nicht mehr ein warum. Aber es dauerte nur ein paar Minuten, da wurde es mir wieder klar. Die Servicewüste Deutschland hatte hier wohl ihre Kommandozentrale und so wurde unsere Bestellung nur widerwillig aufgenommen, und das Besteck auf den Tisch geklatscht. Ich war wirklich geneigt, kein Trinkgeld zu geben, nur gut, dass um 12:00h die Bedienung wechselte und wir es nun mit einer halbwegssympathischen Kellnerin zu tun hatten. Nachdem der Bier ausgetrunken war, machten wir uns auf den Weg zum Treffpunkt in der Wandelhalle Nord. Dort sah ich bereits einige bekannte Nasen, und einige, die diese Tour tatsächlich alleine antraten. Wenn ich Julie nicht gehabt hätte, hätte mich gleiches Schicksal ereilt. UM 13:25h setzte sich dann der ICE in Richtung Stuttgart in Bewegung. Zuerst dachten wir, dass wir ein Abteil für uns hatten, aber leiden holte uns schnell die Realität ein. Die Jungs waren jetzt nicht das schlimmste, was die Hamburger Fanszene zu bieten hatte, aber 5 Stunden mit den Jungs wären wohl vor allem für Julie sehr anstrengend geworden. So atmeten wir auf, als die 5 Jungs noch ein sechser Abteile einen Wagon weiter ausfindig gemacht hatten. So hatten wir bis Hannover unsere Ruhe und machten uns sofort daran, die mitgebrachten Bierreserven zu vernichten. In Hannover stieg dann erste ein „Zivilist“ ein, der mit Fussi nichts am Hut hatte. Danach folgten noch 2 Mitglieder des Fanclubs „Die Blauen Celler“ von 1994. Ach, wenn die UCH erstmal auf 12 Jahre zurückblicken kann. Die beiden waren wirklich angenehme Zeitgenossen (auch wenn einer davon Kuttenträger war) und verfolgten ebenfalls das Ziel, möglichst schnell Luft in ihre Gilde Pilsener Flaschen zu bekommen. Auf die Frage, ob der „Zivilist“ auch ein Bier haben wollte, gab dieser nur zurück:“ Nein Danke. Wenn man mit 2,8 Promille seinen Führerschein verloren hat, dann wird man etwas vorsichtiger mit dem Zeug!“ Wo er Recht hatte, hatte er Recht. Ich bin ja kein wirklich kommunikativer Mensch, und so entwickelte sich zwischen uns und den Blauen Cellern kein wirkliches Gespräch. Erst 30 Minuten vor Stuttgart, als der Alkohol schon spuren bei den Jungs hinterlassen hatte, tauschten wir uns über die sportliche Situation aus. Dabei wurden viele Gemeinsamkeiten festgestellt, was mich in meiner Meinung bestätigt, dass ich doch manchmal nicht alles verkehrt sehe. Zur Hinfahrt bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass ich angenehm überrascht war, dass so gar keine Polizei mit von der Partie war. Werden wir etwa bald wieder von Kategorie C in Kategorie B zurück gestuft und befinden uns damit auf Augenhöhe mit Freiburg und Wolfsburg? Kann ich mir nicht vorstellen. In Stuttgart angekommen, bot sich mir ein ungewohntes Bild bei Auswärtsfahrten: Keine Schwarz-weiß-blaue Invasion (ca. 100 Mann Stark war die Reisegruppe), keine aufgerödelten Kampftrupps der Polizei, gar nichts. Eigentlich alles sehr entspannt. Man sollte öfter Mal in einer englischen Woche ans andere Ende der Nation fahren. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich echt etwas wichtig nehmen durfte. Zu solchen Touren fahren nicht viele mit, und so ist man plötzlich nicht einer in einer annonümen Masse, sonder halt nur einer von wenigen, die diese Strapazen für den Verein auf sich nehmen. Stuttgart ist ja im Vergleich zu Hamburg ein Dorf, und so waren es dann nur 2 Stationen mit der S-Bahn zum Gottlieb-Daimler-Stadion (Warum haben die ihren Namen eigentlich noch nicht verkauft? Mercedes-Benz-Stadion würde doch nahe liegen!) Leider war die S-Bahn so überfüllte, dass ich mir Wohl oder Übel den abartigen Dialekt der Schwaben anhören musste. Auf Zitate wird hier verzichtet. Als wir nach 10 Minuten Fahrzeit (die mir vorkamen wie 10 Tage) an der Station Gottlieb-Daimler-Stadion ankamen, war ich unerklärlichen Gründen wieder nüchtern. Halb angetrunken ist ja raus geschmissenes Geld, aber nüchtern? Naja, egal. Wiederum 10 Minuten Fußmarsch lagen nun vor uns, bis das Stadion in Sicht kam. Es war mir ja ein Rätsel, warum Stuttgart den Zuschlag für das Spiel um Platz 3 bei der WM bekommen hatte (wahrscheinlich der MV Faktor), und auch jetzt, wo ich direkt davor stand, wurde mir die Sache nicht klarer. Wo müssen wir eigentlich hin? EnBW-Tribüne stand auf unseren Karten. Und somit folgte man natürlich der viel zu kleinen Beschilderung zu eben dieser Tribüne. Hinter einem Zaun konnte ich schon die neue Supporters-Botschaft erkennen, die jetzt ja immer bei Auswärtsfahrten dabei sein sollte. Aber warum hinter dem Zaun dort drüben? Und warum kamen uns so viele HSVer entgegen? Wenig später sollte ich es wissen. Wir standen also an den elektronischen Einlasskontrollen und schoben unsere Karten in den Barcodereader. Ein rotes Licht ging an. Der zweite Versuch war auch nicht erfolgreicher, und ich verfluchte innerlich schon Groni, warum der denn gefälschte Tickets besorgt hatte! Da wurde ich von einer Dame des Ordnungspersonals in ihrem (schrecklichen) schwäbischen Dialekt darauf hingewiesen, dass dies der Falsche Eingang wäre. Bitte ca. 200 Meter wieder zurück, und dann um den Gebäudekomplex mit Fitnesstudio und Büroräumen. Danke, warum wird das denn nicht vorher schon so ausgeschildert? Oh, ich entschuldige mich. Es wurde ausgeschildert...in ca. Schriftgrösse 8 Stand es an der Querstrasse, wo wir rein mussten in ca. 5 Metern Höhe. Das kann gar keiner sehen, der zum ersten Mal hier ist. Also laufen wir 5 Minuten um diesen Gebäudekomplex herum, wobei eine simple Tür in dem vorhin angesprochenen Zaun (wo die Supporters Botschaft genau vorm Gästebereich stand) die Zeit auf wohl 45 Sekunden verkürzt hätte. Echter Schwachsinn! Wer das jetzt nicht verstanden hat, braucht sich keine Gedanken zu machen. Ist echt schwer zu erklären, was dort abging. Ich bin aber gerne bereit, eine Zeichnung anzufertigen, für die, die es interessiert. So, diese Hürde hatten wir also genommen, und nun fühlte ich mich auch endlich richtig, weil dieser Eingang auch ganz anders aussah, als der letzte. Endlich mal Auswärtsfangerecht. Die Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim hatte hier nämlich eine Zweigniederlassung eröffnet. Eine Reihe Ordner, dahinter sehr enge Drehkreuze, durch die ich mit meinem Rucksack kaum durchpasste und danach gleich die nächsten zwei Reihen Ordner. Die roten Jacken der Ordner wurden farblich gut ergänzt durch die vereinzelten grünen Uniformen der Polizei. Na, das nennt man mal ein Empfangskomitee. Und so winkt mich auch gleich der erste stiernackige, kahlrasierte Ordner zu sich. Ich hatte ein wenig das Gefühl, der VfB hatte sich hier das Cottbusser Ordnungspersonal ausgeliehen. Ich zeige ihm meinen Rucksack, worauf er mir sofort meine Zaunfahne mit dem viel sagenden Kommentar „Ah, eine Zaunfahne!“ abnimmt. Ich denke mir nichts Böses. Die Fahne wird jetzt gecheckt, ob da nicht Bengalos eingewickelt sind oder Heil Hitler drauf steht. Was dann aber folgt, habe ich noch nicht erlebt. Leverkusen war ein Witz dagegen. Erst musste ich mich für Julies Kontaklinsenmittel (da ich ja aussehe, wie eine Al Kaida Terrorzelle, könnte das ja Flüssigsprengstoff sein) und ihr Deo rechfertigen (ja, wenn man mit seiner Freundin auswärts fährt, finden sich halt etwas andere Dings im Rucksack wieder) und danach wurde ich so gründlich abgetastet wie noch nie in einem Fussballstadion. Sogar in die Schuhe wurde geguckt, ohne dass ich sie ausziehen musste. Alles sehr übertrieben, wie ich fand, und so lasse ich mich noch zu dem Spruch hinreißen: “Die Antiterrormassnahmen greifen offensichtlich in Stuttgart“, welcher aber ungestraft blieb. Das ich unsere 1,5 Liter Plastikwasserflasche (!!!) nicht mit rein nehmen durfte, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Auch Julie, die sonst so gut die immer einfach durch die Kontrollen durchlaufen kann, berichtet mir von einer sehr gründlichen Durchsuchung. Ich passiere noch eine Reihe von Ordnern und kann endlich pinkeln gehen. Auf dem stillen Örtchen fällt mir plötzlich ein: Wo ist eigentlich meine Zaunfahne? Die hat der Sack mir gar nicht wieder gegeben! Ein kurzer Blick in meinen Rucksack bestätigt dies. Ich also hin zu dem ersten in roter Jacke und frage ihn, dass ich meine Zaunfahne nicht wieder bekommen habe. Daraufhin sagt der, dass diese vom Ordnungspersonal selber aufgehängt wird. Ah, gut. Irgendwie gebe ich mich mit der Antwort zu schnell zufrieden, denn die Fragen von Julie (Und wo bekommen wir die wieder? Und wie beweißt du, dass das deine ist?) Kann ich nicht beantworten. Erstmal rauf in den Block, wo wir am Treppenaufgang die 4 Reihe Ordner passieren müssen. Der fünfte Ordner wartet dann oben am Ende der Treppe. Ich frage ihn, wo ich nach dem Spiel meine Fahne wieder abholen kann: Naja, da, wo ich sie abgegeben habe, entgegnet er, als ob es das normalste der Welt sei. Und wie beweise ich, dass das meine ist: „Du erklärst uns, wie sie aussieht“ Manche dinge scheinen einfacher zu sein, als es im ersten Moment scheint. Dennoch würde mich interessieren, was die machen, wenn irgendjemand scharf auf unsere Fahne ist, diese dann beschreibt, und das Ordungspersonal sie daraufhin aushändigt...? Bis hierhin war es also schon recht „interessant“. Nun nehmen Julie und ich unsere Plätze ein und stellen fest, dass die wohl die mit abstand schlechtesten im ganzen Stadion sein müssen. Nicht nur, dass man sehr niedrig sitzt, sondern vielmehr, weil rechts von uns ein Zaun ¾ des Spielfeld verdeckt. Na, das ist klasse. Zumal der Zaun gar keine Funktion erfüllt. Zwischen dem Gästebereich und der Gegentribüne ist nämlich ein ca. 10 Meter breiter Gang, wo vermutlich die Tore immer raus und rein geschoben werden, sowie der Rasenmäher fahren kann. Es ist als für normale Menschen gar nicht möglich, auf die andere Tribüne zu gelangen. Dieser Zaun erhält als das Prädikat: Besonders Sinnlos! Obwohl: Einen sinn erfüllt er ja: Er verdeckt uns die Sicht. Zum Glück ist der Auswärtsbereich alles andere als ausverkauft, und so setzen wir uns in den Block links von uns. Jetzt müssen wir nur noch mich der geringen Höhe kämpfen, die uns die komplette Spielübersicht raubt. Wer mich kennt weiß, dass hier bereits meine Laune gen 0 absackte. Jetzt brauche ich ein Bier! Gesagt, getan. Leider gibt es hier aber nur Bier mit 2,4 % Alkohol und nicht mit 4,9 %. Egal, das muss reichen. Zwei Bier, eine Bratwurst. 10,40 Euro! Prost! Das Bier schmeckt wie Plörbräu, aber wenigstens kann man die Wurst essen. Natürlich kann ich später den leeren Becher nicht dort abgeben, wo ich ihn erworben habe, sondern an einer separaten Kasse. Ihr seht, ich suche jetzt schon die Fehler an diesem Stadionbesuch. Jetzt kommt nämlich eines zum anderen. Nachdem ich nun das dritte Mal dem gleichen Ordner meine Karte vor die Nase gehalten habe, widme ich mich der Stadionshow. Sie Schwaben klopfen sich auf die Schulter, was für ein geiles Team sie haben. Es werden die Tore von Gomez gezeigt, die besten Szenen der vergangen Spiele und natürlich (was da nicht fehlen darf) die zwei Tore aus dem Rückspiel letzter Saison HSV – Stuttgart, wo die 0:2 bei uns gewonnen haben. Von den zwei Dingern, die sie im heimischen Stadion von uns gekriegt haben, wird natürlich nichts gesagt! Wenn ich eines hasse, dann doch, wenn man sich in die eigene Tasche lügt! Dann sollen sie doch auch bitte die Tore aus dem Hinspiel zeigen, aber da wahrscheinlich nie jemand im VfB Trikot ein solch geiles Tor wie van der Vaart (28 Meter, rechts oben, wer sich erinnert) schießen wird, lassen sie es. Nun kommt aber der vorläufige Höhepunkt! Zum „Einstimmen“ wird „You’ll never walk alone“ in einer Ohrenbetäuben Lautstärke gespielt. Die Stuttgarter singen den Zeckenhit zwar mit, doch man versteht sie nicht, weil die Lautsprecheranlage wirklich Disconiveau erreicht. Super nervig! Ich bin genervt! Komplett! Zum Glück kommen jetzt die Mannschaften auf Feld. HSV ganz in weis, wie beim einzigen Saisonsieg in Leverkusen, Stuttgart in den roten „Glückstrikots“. Schiri Fandel stolziert wie ein Gockel vorne weg. Ich habe von Anfang an ein schlechtes Gefühl und werde auch prompt in der achten Minute Bestätigt. Jarolim flankt von rechts und Tasci spielt den Ball im Strafraum mit der Hand. So richtig klar erkenne ich es aufgrund der beschissenen Perspektive nicht, aber die Proteste von Jarolim und van der Vaart lassen mich böses ahnen. Groni und Westphal verstärken meine Ahnung per SMS. Super, wieder ein Elfer, der uns geklaut wird. Hier mal ein Gegenbeispiel: Bremen muss nach Wiesefoul und Naldo Grätsche in den letzten zwei Partien jeweils Elfmeter gegen sich bekommen. Dann gewinnen die Arschgeigen nämlich weder gegen Cottbus noch gegen Nürnberg. Aber so ist das nun mal: Wenn du unten drin stehst, bekommst du die Elfer nicht, und wenn du oben stehst, pfeift keiner gegen dich. Aber das weiße Ballett erinnert sich an Wächters Zitat aus dem Wolfsburg spiel: Wenn dir die Scheisse bis zum Hals steht, darfst du den Kopf nicht hängen lassen! Sehr richtig, und so wird im Mittelfeld gut kombiniert und man kommt sogar zu Chancen. Van der Vaart mit zwei Fernschüssen kurz vor der Halbzeit. Die ach so hoch gelobten Stuttgarter haben auch nur zwei halbe Möglichkeiten durch Gomez. Sieht also gut, ich bin angenehm überrascht. Ein Punkt ist hier auf jeden Fall drin, weil die Mannschaft kuragiert nach vorne spielt. Was leider immer noch fehlt ist Torgefahr, die ja von unseren Stürmern ausgehen sollte. Aber Luboja, der, wenn er sich nur dem Ball näherte, von 37000 übelst ausgepfiffen wurde, und Sanogo bleiben blass (bei Sanogo ist das sprichwörtlich gemeint!). Das einzige, was mir Angst macht sind die Stuttgarter Stürmer. Streller und Gomez sind jeweils ein bzw. 1 ½ Köpfe größer als Mathijsen und Klingbeil. Aber noch geht zumindestens von Streller keine Gefahr aus. Und so bin ich in der Halbzeit positiv überrascht von meinem Team. Bevor ich mich aber so richtig drüber freuen kann, muss ich mich schon wieder über diese bescheuerte Stadionshow ärgern. Es wird der „Fan des Tages“ präsentiert, wobei es eigentlich mehrere Fans sind, die ihren Senf zum Spiel in die Kamera geben dürfen („Heute werden nicht bei Mc Donalds die Fishmacks verputzt, sondern hier“ oder ähnlich schlecht!). Danach wird der Stand für die Kategorie „Spieler des Tages“ bekannt gegeben. Gomez führt mit unglaublichen 44 %! Jetzt frage ich mich, ob auch noch die Kategorie „Arschloch des Tages“ vergeben wird, denn die hätte unangefochten Herbert Fandel gewonnen. Es folgt etwas Unglaubliches: Beide Mannschaften stehen auf dem Feld, aber das Schirigespann ist weit und breit nicht zu sehen. Da entrollen die VfB Fans ein Spruchband. Da ja jeder auf die Schiris noch wartet, sind also alle Augen auf die Cannstatter Kurve gerichtet, die in schildkrötenähnlicher Geschwindigkeit nun das Spruchband endlich entrollt hat: “LUBOJA: WARUM HSV? HUREN, WIE DU, GEHÖREN NACH ST.PAULI“ ist jetzt zu lesen. Hierzu einige Anmerkungen und Fragen: Luboja mag ja ein Söldner sein, und es war mit Sicherheit nicht die sauberste Trennung zwischen ihm und dem VfB, aber er ist immerhin noch Stuttgarter (ist ja nur ausgeliehen). Und es zeugt von wenig Niveau, einen Spieler so in den Dreck zu ziehen. Warum hatte der VfB dieses Spruchband so genehmigt und nicht zensiert? Warum kam Fandel 4 Minuten zu spät, so dass alle Aufmerksamkeit auf dem Spruchband lag? Kann man Luboja nicht auf Niveauvolle Art und Weise die Meinung geigen? Kommentiert wird das Spruchband vom Hamburger Anhang mit einem „Stuttgarter! Arschlöcher!“ Zu schön wäre es doch gewesen, wenn gerade Luboja nun das 0:1 gemacht hätte. Aber nicht mal solch eine Provokation weckt in ihm den Schweinhund. Er wird in der 63 Minute ausgewechselt und kostet uns 50.000 Euro Extra. Der interessierte Leser wird wissen warum. Die zweite Halbzeit bietet zunächst das gleiche Bild. Überlegener HSV (über 60 % Ballbesitz) aber im Strafraum wird es harmlos. Trochwoski versucht es ein paar Mal mit Fernschüssen. Es werden aber gute Möglichkeiten all zu oft durch den letzten (ungenauen) Pass versaut! Und als ich mich mit der Punkteteilung gute anfreunden kann, passiert das unfassbare! 80. Minute. Fillinger verliert (wie in Wolfsburg auch schon) den Ball, Gentner passt rüber zu Gomez, und der ist zurzeit so gut drauf, dass er keine Mühe hat, den Ball an Wächter vorbei zu schieben. 1:0! Unverdienter geht es kaum noch. Die Seifenblase „Auswärtspunkt“ zerplatzt über meinem Kopf. Die 5 Iraner (die nur wegen Mehdi da waren), der Familienvater vor mir, die 6 Albaner hinter mir (waren wegen Berisha da) werden sehr leise. Das kann doch einfach nicht wahr sein!!! Mit welcher Begründung lässt uns der Fussballgott denn hier nicht unentschieden spielen??? Alles, was letzte Saison noch geklappt hatte, klappt jetzt nicht mehr. Zwei Minuten später hat der eingewechselte Berisha zwar die 100prozentige Ausgleichschance, aber irgendwie passt es ins Bild, dass er den Ball nicht richtig trifft. Als Hitzelsberger 5 Minuten vor Schluss den Ball nach einer Ecke seelenruhig annehmen kann, weil kein weißer im Umkreis von 10 Metern zu sehen ist, und ihn dann haltbar links unten rein drischt, ist unser Schicksal besiegelt. Ein sehr schmeichelhafter Sieg von Stuttgart gegen einfach zu harmlose Hamburger. Die Mannschaft bekommt für großen Kampf nach dem Spiel zu Recht Applaus. Ich sehe Raffi die Enttäuschung an. Aber was soll man dazu noch sagen? In der Zeitung steht später, dass Berisha aufgrund seiner vergeben Chance nach dem Spiel Tränen in den Augen hatte. Zeugt von Siegeswillen, nutzt uns aber auch nichts. Das nächste Mal vielleicht einfach reinmachen...dann brauchst du auch nicht heulen! Vor dem Stadion kaufe ich noch die neueste Ausgabe des „Dröhnbütel“. Ein Heftchen, mit Schwerpunkt Groundhopping und HSV. Denn das eigentliche Highlite dieser Tour liegt ja noch vor uns! Knapp 8 Stunden Bahnfahrt...da muss man ja was zu lesen haben. Am Stuttgarter Hbf wird sich noch mit Nahrungsaufnahme befasst. Ein kurzer prüfender Blick verschafft mir die Sicherheit, dass es immer noch die Curry wurst Spezial gibt. Die Mitreisenden aus der vorletzten Saison werden sich erinnern, wie ich dort der schwäbischen Imbissindustrie auf den Leim gegangen bin. Diesmal hat die Bude aber zu und so gibt es zwei leckere Stückchen Pizza vom Türken, die in Anbetracht der sportlichen Talfahrt aber nur schwer runter zu kriegen sind. Der Stuttgarter Hbf an einem Dienstagabend gegen 23:00 h ist ein trauriger Anblick. Noch trauriger wird er bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, einer 2:0 Niederlage gegen schwache Stuttgarter und Tabellenplatz 15 mit Tendenz nach unten. Aber viel weiter wird es nicht runter gehen: Hannover gewinnt nie in München und auch Bochum nicht zuhause gegen Leverkusen. Zumindestens bei ersterem Spiel musste ich mich eines besseren belehren lassen. Nicht mal auf die Scheiss Bayern ist verlass! Um 23:05 beginnt unsere Odyssee! 45 Minuten nach Mannheim, dann umsteigen, weitere 45 Minuten nach Mainz, dort dann per IC nach Hamburg. Und hier nun das Protokoll des Todes: 0:37 Abfahrt Mainz. 0:54h Bingen (Rhein) Hbf, 1:19h Boppard (Wer mir das Nest auf Anhieb auf der Karte zeigen kann, bekommt 10 Euro), 1:34h Koblenz, 2:05h Bonn, 2:27h Köln, 2:51h Düsseldorf, 2:58h Düsseldorf Flughafen, 3:09h Duisburg, 3:17h Mülheim (Ruhr), 3:25h Essen, 3:35h Bochum, 3:47h Dortmund, 4:06h Hamm (Westf.), 4:26h Münster (Westf.) 4:52h Osnabrück, 5:18h Diepholz, 5:49h Bremen, 6:30h HH- Harburg, 6:44h HH Hbf. Irgendwo zwischen Bonn und Köln bin ich total übermüdet eingeschlafen und habe tatsächlich bis ca. 5:00h gepennt. Natürlich nur im 15 Minuten Takt, weil dann die Sitzposition so ungemütlich wurde, dass man sich wieder neu positionieren musste. Echt krass, empfehle ich jedem! UM 5:30h bin ich noch mal eingenickt und wurde von den Pendlern, die zahlreich in Bremen in die Bahn strömten, geweckt. Ab da war dann Feierabend mit schlafen. Der Dröhnbütel leistete mir nun Gesellschaft. Ein wirklich nettes Heftchen mit schönen Spiel- und Reiseberichten über Klassiker wie FC Arges Pitesti vs FCU Polotehnica Timisoara (1 Liga Rumänien), AC Horsens – Esbjerg fB (1 Liga Dänemark) oder TSV DuWo 08 Hamburg – Zobaran CSC Isfahan (Testspiel), um nur einige Exoten zu nennen. Ich widmete mich lieber den Reiseberichten für die HSV Spiele. Dennoch möchte ich hier eine kurze Stelle aus dem Spielbericht 1.FC Köln II – SSVg Velbert zitieren: „Das Spiel wurde in der zweiten Hälfte besser und so gab es gegen Ende der Partie noch Kuriositäten, die ich so in meiner Hoppinglaufbahn auch noch nicht gesehen habe. In der 80sten Minute wird bei Velbert ein Spieler eingewechselt, der sofort nach dem Einwurf den Ball verliert und den Kölner Spieler von hinten umhaut. Dem Schiri blieb somit nichts anderes übrig als den eingewechselten Spieler (der Stadionsprecher hat die Auswechslung noch nicht mal bekannt gegeben) nach 10 Sekunden auf dem Feld wieder runter zu schicken. Zwei Minuten später schisst Velbert dann die überraschende Führung (per Elfmeter), so dass die FC Amateure in der Nachspielzeit noch auf den Ausgleich drängen. So kommt sogar der Keeper mit nach vorne, doch die Ecke konnte die Velberter Abwehr klären. Der Konter auf das leere Tor blieb wirkungslos, so dass der FC den Ball noch mal in den Strafraum drosch, wo der immer noch vorne stehende Torwart den Ball per Seitfallzieher in den Winkel hämmert! Das sind die Momente für die es sich lohnt solche Spiele zu gucken. Echter Wahnsinn!“ Ich gebe dem Autor Recht. Der Fussball hält so viele Überraschungen für uns bereit, so dass man niemals weiß, was als nächstes passieren wird. Ich bin fest davon ausgegangen, dass wir in Stuttgart 4 Dinger bekommen. Aber die Mannschaft hat mich positiv überrascht! Genauso wie das 1:0 mich überrascht hat. Es ist ein ständiges Auf und Ab, und zurzeit geht es halt mehr Ab als Auf. Samstag kommt Gladbach und da müssen wir einfach gewinnen. Ich bin aber trotzdem gespannt, was für Überraschungen dort wieder auf uns warten. Das ist der Grund, warum ich dieses Spiel so liebe!

Gegen 8:00h fallen Julie und ich todmüde ins Bett und ratzen bis halb zwei. Unter dem Strich war die Tour sehr schön und ich danke Julie, dass sie sich so wacker geschlagen hat.