Freitag, September 15, 2006

Berlin zuhause

Liebe Freunde,

seht es mir nach, dass ihr nicht wie gewohnt am Montagmorgen euren allwöchentlichen Bericht zur Lage des HSV auf eurem Tisch hattet.

Die Enttäuschung saß einfach zu tief. 5 Pflichtspiele, keines verloren.....aber auch keines gewonnen. Obwohl das spiel in Pamplona durchaus als Sieg zu werten ist.

Aber irgendwie macht sich langsam aber sicher der Frust breit. Das ist momentan zum Leben zu wenig, zum sterben zu viel.

Doch der Reihe nach.

Sonntag. Ich hasse Sonntage. Alle Geschäfte sind zu, man kommt selten vom Sofa hoch und wenn, dann nur, um die die eh schon ramponierte Figur noch weiter zu zerstören, im Fernsehen läuft nur Schrott und die Erkenntnis, dass man morgen wieder zur Arbeit muss.

Daher sind auch Spiele an einem Sonntag nicht unbedingt ein Leckerbissen für mich. Die können nicht mithalten mit einem Freitag Flutlichtheimspiel oder dem guten alten Samstag 15:30h Kick. Und Sonntagsspiele im Regen gegen Berlin sind ganz weiten unten angesiedelt.

Naja, egal. Heute sollte alles besser werden. Die Champions League Euphorie hatte um sich gegriffen. Arsenal, Moskau und Porto heißen die Gegner.

Das Auswärtsspiel in London veranlasste doch sogleich am Donnerstagabend noch die Leute Flüge nach London zu buchen. Der Preis stieg von anfangs 75 Euro auf später 162,00 Euro bei Germanwings.

Ich bin ja immer nicht der schnellste aber diesmal sollte sich das etwas längere warten (zumindestens Preislich) lohnen. Am Sonntag habe ich einen Flug mit Julie für 119 Euro auf der BA gebucht. Hacken: Wir kommen um 17:45h LHR an. Anstoß: 19:45h......

Zurück zu Berlin und dem Alltag.

Marcelinho ist weg. Hurra, Hurra! Der Typ war doch in den vergangenen Jahren immer ein Angstauslöser wenn es gegen Berlin ging. Das letzte Spiel in Berlin dürfte jedem noch in guter Erinnerung sein. Nun war er aber weg. Was sollte da noch schief gehen???

Ein günstiger Umstand verhalf Groni, Malte und mir 2 Stunden vor dem Spiel zu einem Stehtisch mit Wurst und Bier für 0 Euro, was wir dann auch reichlich genossen. War es etwas hochmütig von uns, dass wir nur das Thema "Arsenal London" im Kopf hatten? Nein, Berlin wird heute "mal eben" geschlagen und die Jagd auf den Titel beginnt.

Und Anfangs sah es auch wirklich so aus. HSV optisch überlegen, wie es immer so schön heißt, und ich hatte nicht wirklich das Gefühl, dass heute die CL Euphorie einen Dämpfer erleiden könnte.

Es lief alles nach Plan: Van der Vaart's Freistoss kurz hinter der Mittellinie landet genau auf Benjamins Kopf, von dem das Leder in die Mitte wiederum Sanogo findet und der nur noch zu seinem dritten BuLi Tor für den HSV einnicken braucht.

Groni: Hatte ich nicht dir gesagt, dass wir viel zu selten mal Freistossvarianten üben? Das sah doch ganz nach einer aus.

Leider war es dann vorbei mit der Herrlichkeit.

Ab da, nur noch Hertha mit guten Chancen. Live hatte ich das gar nicht so auf dem Zettel (Lag das am vielen Gratisbier???) Aber hinterher auf Arena sah man doch die Überlegenheit von Hertha und so durfte man sich bedanken, dass es zur HZ noch 1:0 Stand.

In der zweiten Hälfte aber dann das, was ich so sehr hasse.

Kennt ihr das Gefühl, wenn man den Gegentreffer fast spüren kann?

Wenn es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann Kirsche den Ball aus dem Netz holt?


Das ist so, als wenn man im Schützengraben liegt und die Artellierieeinschläge immer näher kommen. Du bist einfach Machtlos und du hoffst, dass du mit deinem Leben bzw. ohne Gegentor davon kommst.

Leider war dies nicht der Fall und irgendwie ist es dann wie eine Befreiung, wenn das 1:1 fällt. Man hat es die ganze Zeit gewusst, aber nun ist es Gewissheit.

Ich erspare uns jetzt hier den Namen des Torstützen aus zweierlei Gründen:

1. Ich kann ihn nicht aussprechen

2. Noch mal wird der eh nicht treffen.

Danach läuft es wieder besser bei unseren Jungs, wenn auch immer noch nicht gut. Und dabei ist noch eine halbe stunde zu spielen.

Im Grunde kann ich mich dann nur noch an eine klare Torchance erinnern: 91 Minute, PG bekommt nach guter Aktion von Lauth den Ball völlig unbedrängt aus

7 bis 8 Metern auf den Fuß und kann sich die Ecke aussuchen........ Was passiert ist, wissen wir.

Soviel zum Fußball. Für mich gab es aber noch 3 Aufreger, die zum Teil mit den deutschen Schiris zum Teil mit dem Pech, welches zur Zeit an unseren Hacken klebt zu tun hat:

1. Pantelic schlendert gemütlichst von Platz und bedankt sich beim Hamburger Publikum für das Pfeifkonzert. Dafür wird er (völlig zu Recht) von Schiri Fandel mit Gelb bestraft. Als Pantelic sich dann aber mit einer tiefen Verbeugung für diese gelbe Karte bedankt, bleibt für mich völlig unverständlich die rote Karte in Fandels Gesäßtasche. Skandal! Wir erinnern und an einen gewissen KB, der in Gladbach mal dem Schiri Beifall für eine gelbe Karte spendete und frühzeitig zum duschen geschickt wurde. Frag: Ist eine Verneigung zum Dank nicht das gleich wie hämischer Applaus? Die antwort kennt nur Herr Fandel.

2. Das Fandel seine rote Karte nicht in der Kabine vergessen hatte, bewies er kurz vor Schluss, als Colin Benjamin einen Berliner Konter mit einer Grätsche an der Mittellinie zu unterbinden wusste. Ganz ehrlich: Für mich zu hart. Gelb und Freistoss hätten es auch getan. Jetzt wird sich der eine oder andere Fragen: Hat der Druve gar keine Ahnung von Fußball? Das mag sein. Aber ich gehe jede Wette ein, dass wenn das foul vor der HSV Bank und nicht vor der Hertha Bank, wo alle wie eine aufgeschreckter Hühnerhaufen von ihrer Stange gesprungen sind, passiert wäre, hätte Fandel dies nicht mit Rot geahndet. Außerdem meine ich zu erkennen, dass Bastürk (war es glaube ich) schon vor Benjamins Grätsch abhebt. Wie gesagt: Rot für mich zu hart.

3. Raffi unser Schrottvogel. Erst ein Fernschuss, dann ein Freistoss und schon waren die Jungs mit der Trage auf dem Platz. Scheisse!!!!! Nicht schon wieder.

Heute habe ich erfahren, dass irgendeine Sehne angerissen ist und niemand sagen kann, wann er wieder spielen kann. Gute Nacht Meisterschaft!

In 3 Wochen: Dortmund auswärts